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Ereignisse
1934
Juni

Massenkundgebung der HJ des Gebietes Mittelrhein in Köln

Auf dem Kölner Neumarkt veranstaltet die HJ des Gebietes Mittelrhein am 11. Juni eine Massenkundgebung "gegen das Miesmachertum und die Reaktion" mit 30 bis 40.000 Teilnehmern, auf der Gebietsführer Wallwey eine Rede hält, in der er sich auf abfällige Weise zu den Kritikern der HJ äußert, was in der Bevölkerung auf großen Ärger stößt. Hier heißt es, dass die Rede Wallweys ein Beispiel dafür sei, wie man im Kampf gegen das Miesmachertum nicht vorgehen solle.

Von der Rede wird eine stenographische Mitschrift erstellt, die die Staatspolizeistelle für den Regierungsbezirk Köln am 27. Juni 1934 an das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin schickt. Demnach hat Wallwey die Auseinandersetzungen um politisches Mitspracherecht mit den Zuständen in einem Schweinestall verglichen:

"Wir wollen alle zusammen auf dem Neumarkt einen Spaziergang machen. Wir gehen hinaus auf das Land, besuchen den Bauer und gehen mit dem Bauer in einen Schweinestall hinein. Wir kommen gerade in dem Augenblick, wo die Sau die Ferkel säugt. Wir schauen jetzt einmal genau zu. Das ist ein Beispiel aus der Natur. Alles, was natürlich ist, ist in Ordnung. Wir stellen fest, wie die Ferkel, die den Kampf um das bisschen Brot führen, sich hin und herschieben. Die auf der linken Seite bekommen nichts. Deshalb bekommen sie Wut und ballen sich zusammen und mit dieser gewaltigen Kraft geht es rrruck nach rechts. Hin. Dann stellen wir fest, dass die, die links waren, Appetit bekommen. Die rechts waren, sind abgedrängt. Nun kommen die auf der rechten Seite auch in Wut; es geht wieder rrruck nach links. Aber diejenigen, die nicht satt wurden, das ist die Mitte. Weil sie nicht saugen können, deshalb sind sie unzufrieden. Sie möchten das Alte wieder herstellen. Wir jungen Nationalsozialisten wir sagen ihnen nein. Es ist uns mit dem, was ihr in den vergangenen Jahren immer und immer wieder habt treiben können. Wir warnen euch, zieht euch zurück in die Mauselöcher, in die ihr euch verkrochen habt, wie wir im Januar Revolution machten. Zieht euch weiterhin zurück, aber kommt niemals wieder zum Vorschein, denn ihr könnt ja nicht anders ein, weil ihr erzogen seid zum Stänkern und Miesmachen, deshalb könnt ihr nicht anders."

Weiter sagt Wallwey, die HJ marschiere, damit in Deutschland jeder "Brot und Arbeit" habe, und jeder Miesmacher der HJ richte sich daher auch gegen eigenes Brot und eigene Arbeit. Den Versuch der Miesmacher, noch einmal die politische Bühne zu betreten, lehne die Jugend ab. Er endet mit den Worten: "Es regiert in Deutschland nicht mehr das System der Parteien; in Deutschland regiert Adolf Hitler. Wir stehen hinter unserem Führer, dem wir alles und das Letzte hergeben, wenn dieser Führer kommandiert. Ihr sollt dann sehen, wie ihr schnell in die Mauselöcher kommt. Wir marschieren weiter in eine schöne große deutsche Zukunft hinein."

Kundgebung der Kölner HJ gegen "Reaktion und Jugendverhetzung"

Am Montag, den 11. Juni 1934, findet in Köln eine, wie es in der Ankündigung des Westdeutschen Beobachters heißt, "Einspruchskundgebung der HJ gegen Reaktion und Jugendverhetzung" statt", zu der die gesamte Kölner Bevölkerung eingeladen ist. Sprecher sind der Pressechef der Reichsjugendführung, Gebietsführer Staebe, und der Führer des Gebietes 11 Mittelrhein, Gebietsführer Wallwey.

Westdeutscher Beobachter: Jugend macht Front gegen Reaktion

Der Westdeutsche Beobachter berichtet mit pathetischen Formulierungen am 12. Juni 1934 über die tags zuvor stattgefundenen HJ-Kundgebungen in Köln und Bonn, auf denen der Pressechef der Reichsjugendführung, Gebietsführer Staebe, und der Führer des Gebietes Mittelrhein, Wallwey, gesprochen haben.

Staebe erinnert in seiner Rede an die Machtübernahme und die Abrechnung mit der "Reaktion". Heute jedoch würden diese Kräfte ab und zu wieder "das Haupt erheben". Der Feind stehe rechts, und deshalb gelte der Kampf in besonderem Maße der "bürgerlichen Reaktion". Die HJ habe bei der Verwirklichung der Revolution ihren Teil beigetragen, daher habe sie nun auch das Recht, mit in der "vordersten Linie im weiteren Kampf zu stehen". Und sie werde diesen Kampf gegen "Mießmacher und Muckertum" mit aller Schärfe siegreich führen.

Wallweys Rede ist, so der Westdeutsche Beobachter, eine "einzige Abrechnung mit allen Volksfeinden". Mit scharfer Ironie habe er das Treiben dieser Kreise, die heute wieder aus den "Mauselöchern" kriechen, gegeißelt. Wenn die HJ nun zum Kampf gegen sie antrete, dann deshalb, weil sie in besonderem Maße unter den Auswirkungen dieser "volksschädlichen Politik" zu leiden habe. Die Revolution sei nicht durchgeführt worden, damit einige "Großkapitalisten ihren Geldbeutel in Sicherheit bringen könnten". Die HJ werde so lange marschieren, bis auch der letzte Volksgenosse Arbeit und Brot habe. "Miesmacher und Muckertum" könnten den Marschtritt der HJ niemals hemmen.

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