Organisation des Gaues Rheinland 1930
Am 27. Oktober 1930 sendet der Kölner Polizeipräsident die Abschriften von drei Rundschreiben der HJ Gau Rheinland vom 3., 8. und 18. Oktober 1930 an den Kölner Regierungspräsidenten weiter, aus denen Organisation und Personalentscheidungen der rheinischen HJ hervorgehen:
Die HJ ist nunmehr auf Anordnung Hitlers in mehrere große Bereiche unterteilt worden, darunter Mitte, West und Süd. Diese Bereiche entsprechen ungefähr den SA-Bereichen.
Demnach hat der bisherige Gauführer der HJ Rhein, Hugo Maass aus Wiesdorf sein Amt "auf Anordnung der Reichsleitung" niedergelegt und wurde mit der Führung des HJ-Gaues Niederrhein beauftragt.
Die Führung des HJ-Gaues Rhein übernimmt laut Rundschreiben vom 8. Oktober 1930 Williy Kayser, der ebenfalls bis auf weiteres die Ortsgruppe Köln anstelle von Ortsgruppenführer Wirtz leitet, da dieser verhaftet wurde.
Gaugeschäftsführer der HJ Rhein und zugleich 1. Adj. der Oberführung und damit stellvertretender Oberführer von Rhein-Ruhr wird Pg. Ruschepaul.
Damit gliedert sich die Ortsgruppe Köln folgendermaßen:
Kasse Pg. Austermann
Schriftverkehr Pg. Fett
Scharführer der Schar 12 Pg. Prang (stellvertr. OGF)
Scharführer der Schar 9 Pg. Fett
Führer des Jungtrupps Pg. Blatzheim
Truf. des Trupp Schlageter Pg. Göbbels
Truf. Des Trupp Lüthkens Pg. Kirchen
Truf. des Trupp Wilhelmy Pg. Hoffmann
Truf. des Trupp Kütemeyer Pg. Zimmermann
Truf. des Trupp Horst Wessel Pg. Rühl
Versicherungswart der OG Pg. Hans Hoffmann
Spielscharleiter Pg. Hans Rühl
Neu eingerichtet wird im Gau eine Gefangenen- und Verwundetenhilfe, die Hans Prang übernimmt.
Neuer Ortsgruppenleiter der HJ Euskirchen ist Peter Schulz, Kölnerstraße 81 aus Euskirchen. DIe Geschäftsstelle der örtlichen HJ befindet sich in der Hochstraße 28 in Euskirchen.
Mehrere Mitglieder der Kölner Ortsgruppe werden wegen "disziplinwidrigen Verhaltens" aus der HJ ausgeschlossen.
Angekündigt wird die Gautagung der rheinischen HJ am 1. November, die im Lokal "Haus Mainz" in der Kölner Helenenstraße stattfinden soll, und eine allgemeine HJ-Führertagung des Bereiches Rhein-Ruhr am 2. November im der "Harminie" in der Kölner Apostelnstraße. Beide Treffen sind "geschlossene Veranstaltungen", doch kündet der Polizeipräsident in seinem Schreiben an den Kölner Regierungspräsidenten an, die Versammlungen "in geeigneter Weise" beobachten zu lassen.
Zuletzt wird in dem Rundschreiben vom 18. Oktober auf die "erfreuliche" Entwicklung des NS-Schülerbundes hingewiesen. Auf die "Eroberung des Schuljugend" müsse die HJ neben der Arbeit in den Betrieben ihr "größtes Augenmerk" richten. Überall müssten durch "Flugblätter, Zeitungen usw." sowie "unermüdliche Einzelbearbeitung" nationalsozialistische "Keimzellen" entstehen. Dabei soll mit Vorsicht gearbeitet werden und "interne HJ-Angelegenheiten" nur an wenige Vertraute weitergegeben werden.
Bei der Werbung an den Schulen sollen auch nationalsozialistisch orientierte Eltern einbezogen werden, um auf diesem Wege Unterstützung in den Elternbeiräten zu bekommen.
Bekannt gegeben wird zuletzt noch, dass die Zugehörigkeit zu einer NS-Jugendorganisation und der Besuch von NS-Versammlungen gesetzlich nicht verboten ist.