Erster Gautag der HJ des Gaues Rheinland
Über Ostern 1930, vom 19. bis 21. April, findet in Koblenz der erste Gautag der HJ des Gaues Rheinland statt. Den Auftakt bildet eine Jugendkundgebung unter Mitwirkung der Ortsgruppe der NSDAP und des Spielmannszuges der HJ in einem Bürgerheim in Koblenz-Lützel mit rund 400 Personen. Es sprechen Gauführer Hugo Maass aus Wiesdorf und der ehemalige Gaugeschäftsführer Kayser.
Der Ostersonntag beginnt mit einem Feldgottesdienst auf der Karthause, der von einem evangelischen Pfarrer abgehalten wird. Im Anschluss finden Sportkämpfe statt, an die sich nachmittags ein Propagandazug durch verschiedene Straßen der Stadt anschließt. An dem Zug beteiligen sich etwa 350 uniformierte Mitglieder der NSDAP und der HJ. Der Marsch führt zum Deutschen Eck, wo Kayser eine Rede hält und Gauführer Maass einige HJ-Führer verpflichtet und über die "Pflichten und den Zweck der Hitler-Jungmannschaften" spricht. Auf dem Rückmarsch werden die Teilnehmer angehalten und nach Waffen und Stahlhelmabzeichen durchsucht.
Abends findet in einem Restaurant ein "Deutscher Abend" mit Musik, Gedichtvorträgen und der Siegerehrung der Sportkämpfe statt.
Am Ostermontag treffen sich die Teilnehmer zu einem Geländespiel und -marsch nach Winningen, die, so der Bericht über den Gautag, "keinen militärischen Charakter" haben.
Nennenswerte Störungen seien nicht vorgekommen. Einzig seien zwei Zuhörern, welche am Deutschen Eck anlässlich der Verpflichtung der Hitler-Jungmannschaften beim Singen des Deutschlandliedes die Kopfbedeckung nicht abgenommen hätten, die Kopfbedeckungen heruntergeschlagen worden. Ermittlungen in dieser Angelegenheit seien nicht ausgeschlossen.
Im Anschluss an die Tagung, so Kayser in einem Rundschreiben vom 28. April 1930, habe es zahlreiche Neuanmeldungen zur HJ gegeben und es seien im Koblenzer und Trierer Bezirk vier neue HJ-Ortsgruppen gegründet worden.