Wintersonnenwende als alternatives Weihnachtsfest
Die Wintersonnenwende 1933 begeht eine Einheit des BDM aus dem Gauverband West in Form einer abendlichen Feier im verschneiten Wald. Die Mädchen versammeln sich am lodernden Sonnwendfeuer, um das sie "stumm und ernst den Ring schließen". Die Feier begehen sie - die zeittypische Germanenverehrung aufgreifend - in der Annahme, damit einen "heiligen deutschen Brauch" zu begehen, wie ihn auch die "Vorfahren" gekannt hätten. "Heiligend und reinigend" sei den "Menschen von jeher" das Feuer gewesen, und der "deutsche Mensch in seiner Tiefe und seiner Treue" wolle immer wieder die "Wirkung der Flamme, des Lichtes" erleben. Daher solle der Brauch wieder "lebendig" gemacht werden.
Pathetische Feuersprüche werden vorgetragen, die Nationalbewusstsein und Einsatzbereitschaft der Mädchen festigen sollen: "Pfeift der Wind uns Lügen,/heil'ge Flamme, führe du!/ Feuerhelle groß und klar,/ mach uns stark und mach uns wahr!"
Daneben wird aber auch christlichen Elementen bei der Feiergestaltung Raum gegeben. So haben die Mädchen einen kleinen Baum als Weihnachtsbaum mit Kerzen geschmückt, sie singen "alte Weihnachtsweisen" und schließlich liest eine von ihnen sogar aus der Bibel das Weihnachtsevangelium vor. Damit fassen die Mädchen die Wintersonnenwende als eine Art alternative Weihnachtsfeier auf.
Die Fanfare, Amtliche Hitlerjugend-Zeitung für das Obergebiet West, hg. Hartmann Lauterbacher, 2. Jg., H. 1, Januar 1934