„Fanfare“ auf Kirchplatz verkauft
Aus der Essener Pfarre Mariä Empfängnis wird dem Generalvikariat in Köln gemeldet: „Am Sonntag den 15. April morgens nach der letzten hl. Messe gegen 12 Uhr betraten mehrere Mitglieder der Hitlerjugend den Kirchplatz vor der St. Mariae-Empfängnis-Kirche in Essen, Gemarkenstrasse um die Zeitschrift ‚Fanfare' zu verkaufen. Von den die Kirche verlassenden Kirchenbesuchern darauf hingewiesen, dass der Platz Privateigentum sei, zeigten sie ein freches Benehmen. Einer von ihnen tat einem älteren Herren gegenüber die Bemerkung: Halt die Schnauze. Als darauf der Herr dem und Jungen eine Ohrfeige gab, zog der Junge sein Fahrtenmesser und bedrohte die Kirchenbesucher. Es entstand eine große Erregung, die sich erst allmählich legte. Zeugen dieses Vorfalls können zahlreich beigebracht werden."
Zusätzlich wird mitgeteilt: „Von Bedeutung für die Beurteilung des Zwischenfalls ist die Tatsache, dass die April-Nummer der Fanfare mit den scharfen Angriffen auf Kardinal Faulhaber zum Verkauf gelangte. Die wissenschaftliche Überzeugung von den Anlagen und den Schwächen unserer Vorfahren, welche sich Kardinal Faulhaber, früher Professor für Geschichte, gebildet hat, wurde durch zwei Karikaturzeichnungen in der betr. Nummer lächerlich gemacht. Eine Zeichnung ist überschrieben: ‚Wie Fritzchen sich die Germanen vorstellt.' Den Kirchenbesuchern war schon am Sonntag vorher diese Nummer der Fanfare zum Verkauf angeboten worden. Daher erklärt sich ihre Erregung darüber, dass dieselbe Nummer der Fanfare wieder auf kirchlichem Eigentum verkauft wurde."