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Ereignisse
1934
April

Bericht über einen Umzug des Jungvolkes in Kray-Leithe

Beim Kölner Generalvikariat geht ein Schreiben von Pfarrers Kauws aus Essen-Kray ein, das der an die lokale HJ-Führung gerichtet hat: „Am 10. April 1934, nachmittags gegen 13 ½ Uhr, bekam ich durch den Vater eines Hitlerjungen aus Kray den Bescheid, dass man an diesem Tage abends gegen 6 Uhr, von Seiten des Jungvolkes einen Umzug durch Leithe geplant hatte. Auf diesem Umzug sollten - so war es beschlossen - am Pfarrhaus vorbei Spottlieder gesungen werden und Sprechchöre erschallen. Man verständigte sofort den Polizeibezirk 12, von wo aus mir Schutz zugesichert wurde. Gegen 6 Uhr versammelten sich auf dem Platze östlich des Volksgartens, an der Bahnlinie Kray-Süd - Wattenscheid, etwa 600 Hitlerjungen. Diese wurden von dem Führer Willi K. aufgeputscht. In seiner Ansprach an das Jungvolk war die Rede von den volksverräterischen und separatistischen Pfaffen. Am Schluss wurde ein Sprechchor eingeübt, der an meinem Hause vorbei gebrüllt werden sollte. Auf einige von dem Führer gesprochene Worte folgte mit dem ganzen Chor der dreimalige Ruf: Bulle.
Dann rückte man zur großen Aktion ab, wurde aber gleich am Eingang der Rudolfstr. durch den Anblick des Schupobeamten in eine andere Richtung gedrängt. Man ging dann geradeaus durch die Alfredstr. weiter, dann durch die Lahnbeckstr. und bog dann in die Mathiasstr. ein, wo Pfarrhaus und Kirche liegen. Mittlerweile war der Schupobeamte an meinem Hause angelangt. Der oberste Führer Willi K. ging von Gruppe zu Gruppe und verbot den Sprechchor, wahrscheinlich geängstigt durch den dastehenden Polizeibeamten. Dafür wurde desto kräftiger gesungen. Jede Gruppe war ausgerechnet bei mir am Hause an der Strophe angelangt, in der man von den Pfaffenhunden sang. Dadurch erhielt auch das sonst harmlose Lied von dem roten Hahn, den man aufs Dach setzten soll, hier eine besonders üble Bedeutung. An der Kirche vorbeiziehend hörte man die Jungen laute Bemerkungen machen: Was ist das hier? Und auf die Antwort: Das ist die kath. Kirche, wurden von vielen Eselsohren gemimt. Der Zug ging dann weiter nach Kray.

Ich protestiere auf das allerschärfste gegen eine solche Verhetzung  auch unserer kath. Jugend und hoffe, dass den Führern das Gemeine ihres Unternehmens recht deutlich zum Bewusstsein gebracht wird."

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