"Sind sie erst deutsch und dann katholisch?"
Am 2. Mai 1934 wird die Lehrerin Christine H. vom Vertreter des Troisdorfer NSLB, Dr. Winheller, zu einer Besprechung vorgeladen. Anlass ist H.'s Arbeit als Jungfrauenkongregationsführerin. Winheller macht der jungen Frau deutlich, dass diese Tätigkeit selbst dann mit ihrer Mitgliedschaft im NS- Lehrerbund unvereinbar sei, wenn sie auf jegliche Werbung verzichten würde. „Es entstehen hierdurch bei den Mädchen Konflikte." Stattdessen gelte es, in der Schule für die örtlichen BDM-Gruppen zu werben. Entweder komme H. dieser Aufforderung nach oder werde aus dem NSLB ausgeschlossen. Als Option eröffnet ihr der NS-Funktionär noch die Möglichkeit, mit der gesamten Kongregation dem örtlichen BDM beizutreten, da sie dann ihre religiöse Betätigung weiterführen könne.
H. erbittet Bedenkzeiten und teilt vier Tage später mit, sie könne sich nicht dazu durchringen, ihre Arbeit in der Jungfrauenkongregation aufzugeben. Sie wird umgehend aus dem NSLB ausgeschlossen und wird zum 26. Mai 1934 vom Regierungspräsidenten zum Gespräch vorgeladen, in dem ihr nochmals verdeutlicht wird, dass von NSLB-Mitgliedern die Förderung der HJ erwartet werde. „Alle Lehrkräfte müssen es sich angelegen sein lassen, die Aufgaben und Ziele der nationalsozialistischen Jugendbewegung verständnisvoll zu fördern."
Christine H. erwidert: „Ich fühle mich aber verpflichtet, der Mutter Gottes die Treue so zu halten, dass ich ihr in der Kongregation besonders diene und die Marienjugend betreue." Bei einer Eingliederung ihrer Gruppe in den BDM glaube sie nicht daran, dass sie die katholischen Mädchen einmal in der Woche zu einer religiösen Weiterbildung sammeln könne. Und das wiederum widerspreche ihrem Anspruch an eine religiöse Betreuung.
Regierungsseitig bleibt man hart: „Sie haben die Entscheidung zu treffen, ob sie erst deutsch und dann katholisch sind." Als staatliche Beamtin sei ihre Arbeit in der Kongregation zumindest nicht vereinbar. „Um im Schuldienst verbleiben zu können", so fasst H. das Gespräch zusammen, „müsse ich erst deutsch sein."
Nach nochmaliger Bedenkzeit wird die Schulamtsbewerberin am 29. Mai 1934 vom Schulrat vorgeladen, dem sie jedoch die gleiche Entscheidung mitteilt. Daraufhin wird sie vom Kölner Regierungspräsidenten umgehend aus der Liste der Schulamtsbewerberinnen gestrichen.