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Ereignisse
1934
Januar

Polizeipräsident verbietet Neudeutsche Aktionen

Die NS-Tageszeitung „Westdeutscher Beobachter" berichtet am 29. Januar 1934 unter der Schlagzeile „Unerhörte Provokation katholischer Jugendverbände" über eine Auseinandersetzung zwischen Katholischer Jugend und dem NS-Staat. „Trotz Untersagung öffentlicher Betätigung in Uniform", so wird berichtet, hätten „Aufmärsche und Herausforderungen der deutschen Staatsjugend" stattgefunden.

„Nachdem am Donnerstag vergangener Woche durch den Kölner Polizeipräsidenten Lingens die von dem katholischen Jungendverband 'Neudeutschland' beantragten Umzüge in Köln zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit untersagt worden waren und darüber hinaus am vorgestrigen Samstag den Gliederungen der Vereinigung 'Neudeutschland' weiter jegliches Auftreten in Bundestracht verboten worden war, haben sich gestern dennoch erhebliche Überschreitungen der polizeilichen Verbote ereignet. Die letztgenannte Verfügung des Polizeipräsidenten ist noch im Laufe des Samstagnachmittag den Neudeutschen ausdrücklich übermittelt worden, so dass hier keine fahrlässige Übertretung sondern beabsichtigtes verbotswidriges Handeln vorliegt! Vor und nach der alljährlichen Verpflichtung der Bundesangehörigen der Neudeutschen in der Apostelnkirche zogen einzelne Gruppen mit Teilnehmern in Bundestracht geschlossen und singend durch die Straßen, verteilten dabei Flugblätter und Zeitungen und betrieben zugleich Propaganda für die katholische Jugendorganisationen. Mit entrollten Wimpel und Fahnen, was beides ebenfalls streng untersagt war, durchzogen die Gruppen die Kölner Straßen und ließen sich unerhörte Beleidigungen der deutschen Staatsjugend, der Hitler Jugend, zuschulden kommen!

Dabei kam es in der Mittelstraße zu Zusammenstößen zwischen Hitlerjugend und Neudeutschen, bei denen seitens der Angehörigen der katholischen Bünde herabsetzende und anstrengende Äußerungen fielen, die natürlich nicht unbeantwortet bleiben konnten.

Des Weiteren ereignete sich an der Agnes Kirche in Köln-Nippes ein zweiter Zwischenfall. Dort wurde unter der bewusst unzutreffenden Mitteilung, dass Hitler Jugend die Pfarrei und die Kirche besetzt hätten, das Überfallkommando der Schutzpolizei in Anspruch genommen. Zuvor hatte sich zwischen den Hitlerjugendführer und einem Geistlichen der St. Agnes Pfarre eine Unterhaltung abgespielt, die seitens der beteiligten Hitler Jugend völlig ruhig und gemessen geführt worden war, bei der jedoch seitens dieses Geistlichen Ausdrücke wie: 'Die Hitler Jugend ist eine total verhetzte Bande' und 'nach drei Jahren sprechen wir uns wieder' fielen. Die näheren Umstände sind bereits einwandfrei protokollarisch festgestellt, und die Staatspolizei ist mit der Klärung und Untersuchung beschäftigt.

Auf Grund dieser Ereignisse hat sich Polizeipräsident Lingens veranlasst gesehen, noch in der Nacht von Sonntag auf Montag folgendes Verbot zu erlassen: 'Die Zwischenfälle am gestrigen Tage veranlassen mich, jede weitere Betätigung des Bundes ‚Neudeutschland' im Freien bis auf weiteres hiermit zu verbieten.'"

Der Westdeutsche Beobachter resümiert: „Wir hoffen, dass die angeordnete Untersuchung über die Vorgänge am Sonntag, die mit aller Sorgfalt und Schärfe geführt wird endlich die Stellung der Hitler-Jugend eindeutig klarstellt. Es ist den konfessionellen Bünden endlich ins Bewusstsein zu rufen, dass die Hitler Jugend die einzige anerkannte deutsche Staatsjugend ist und bleiben wird, und dass alle abfälligen Äußerungen und erst recht alle beeinträchtigenden und provozierenden Handlungen als Versuche zur Untergrabung der Staatsautorität selber verfolgt werden."

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