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Das „Camp de Gurs“

Nach kontroversen Diskussionen innerhalb der regionalen Öffentlichkeit war das Lager bereits im März 1939 in kurzer Zeit zunächst als Auffanglager für Menschen errichtet worden, die nach dem Sieg Francos im spanischen Bürgerkrieg nach Frankreich geflohen waren. Der Ort war dabei nicht zufällig gewählt. Das Dorf Gurs befindet sich weitab von Städten am Fuße der Pyrenäen im äußersten Südwesten Frankreichs zwischen Pau und Bayonne, verfügte mit dem rund zehn Kilometer entfernt liegenden vom Bahnhof von Oloron aber über einen Bahnanschluss und zudem einem Zugang zu einer Nationalstraße.

Die 428 sehr einfachen, fensterlosen Baracken wurden auf einem Gebiet von 79 Hektar von Ingenieuren und Bauarbeitern aus der Region innerhalb von sechs Wochen aufgebaut. Es war in 13 von Stacheldraht umschlossene Blocks aufgeteilt. Die 24 x 6 Meter großen Baracken selbst sollten nur der vorrübergehenden Unterbringung von jeweils 60 Menschen dienen. Sie waren entsprechend schlecht isoliert und schützten kaum vor Kälte und Feuchtigkeit. Sehr provisorisch waren auch die sanitären Einrichtungen, die jeweils für einen Block eingerichtet und sich in katastrophalem Zustand befanden.

Bald nach seiner Eröffnung am 2. April 1939 waren im „Camp de Gurs“, wie es nun genannt wurde, bereits mehr als 15.000 Menschen untergebracht, deren Zahl bis zum August des Jahres auf 24.500 anstieg. Zu diesem Zeitpunkt wurde damit begonnen, erste Spanienkämpfer in ihre Heimatländer zurückzuführen. Ende Mai 1940 erhöhte sich die Zahl der Internierten dann erneut schlagartig von 1.500 auf 12.000, als nach der deutschen Invasion insbesondere Jüdinnen und Juden aus Belgien und Frankreich, aber auch französische Kommunisten und andere politisch Verfolgte nach Gurs verlegt wurden. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 22. Juni 1940 wurden die meisten von ihnen freigelassen - nicht zuletzt aufgrund des katastrophalen baulichen Zustands des Lagers.

Es wird jedoch nicht endgültig geschlossen, sondern von den aktuellen Ereignissen überholt. Da die französische Vichy-Regierung vorab nicht über die Deportation der badischen und saarpfälzischen Jüdinnen und Juden informiert worden war und daher den Zweck der von dort angekündigten Transporte zu spät erkannte, sah sie sich zu schnellem Handeln gezwungen. Da die deutsche Seite zudem auf keinerlei Proteste reagierte, musste die Verantwortlichen eine schnelle Lösung finden, was sie ihren Blick gen Süden auf das „Camp de Gurs“ richten ließ. Daher endeten die Transporte schließlich nach einem Zwischenaufenthalt im Lager Béarn im Bahnhof Oloron-Sainte-Marie im südfranzösischen Departement Basses-Pyrenees, von wo aus die deportierten Jüdinnen und Juden mit Lastwagen in das zehn Kilometer entfernte Lager weitertransportiert wurden.

Dort war man allerdings nicht informiert und daher in keiner Weise auf den plötzlichen Zustrom einer solchen Menschenmenge vorbereitet. Die Zahl der Insassen stieg erneut von einem Tag auf den anderen von gut 3.000 auf fast 10.000 an. Am 31. Oktober folgten weitere 7.010 Männer und Frauen, die zuvor in anderen Lagern in Südfrankreich untergebracht waren. Das führte umgehend zu desaströsen Verhältnisse im Lager. Es fehlte an allem: Nahrung, Kleidung und medizinischer Versorgung, die hygienischen Bedingungen waren erneut katastrophal, ebenso die Wohnsituation in den heruntergekommenen Baracken selbst. Diese standen anfangs auf gestampftem Lehmboden, der lediglich mit Stroh ausgestreut war. Das ganze Gelände war unbefestigt, bei Regen weichte der Boden völlig auf, so dass die Internierten zu den Toiletten oder für Besorgungen durch den Schlamm waten mussten. Das Essen bestand aus einem Kaffee am Morgen, einer Brotration und aus einer wässrigen Suppe, die zweimal täglich ausgeteilt wurde und die wochenlang aus dem gleichen Gemüse - Rüben, Kürbis, Kohl - bestand.

Im November 1940 befanden sich nach einer Statistik der Lagerleitung mehr als 12.000 Internierte in Gurs, davon mehr als 9.400 deutsche und italienische Männer, Frauen und Kinder zu denen auch die deportierten deutschen Jüdinnen und Juden zählten. Infolge der unhaltbaren Zustände war die Sterberate insbesondere im Winter 1940/41 sehr hoch. Zeitweilig starben täglich bis zu 15 Menschen. Allein im Jahr 1940 kamen unter derart unzumutbaren Lebendbedingungen fast 800 der in Gurs Internierten ums Leben.

Ab Februar 1941 wurde ein Teil der Gefangenen zur Entlastung des Hauptlagers in die kleineren Nebenlager Noe, Le Vernet, Les Milles, Rivesaltes und Recebedou verlegt. Soweit sie die Möglichkeit dazu hatten, versuchten sie in den kommenden Monaten natürlich, doch noch ihre Emigration zu bewerkstelligen, was rund 700 von ihnen gelang.

Im Sommer 1942 verzeichnet das „Camp de Gurs“ erneute hohe Zugänge von Jüdinnen und Juden, die im Rahmen von in der freien Zone durchgeführten Razzien festgenommen worden waren. Am 23. November 1942 wurden außerdem sämtliche Insassen des Lagers von Rivesaltes zurück nach Gurs zurückgeführt.

Nachdem das NS-Regime im März 1942 begonnen hatte, auch die französischen Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager zu deportieren, wurden seit August 1942 auch die nicht-französischen Internierten aus Gurs diesen Transporten „in den Osten“ angeschlossen. Am 6. August werden 850 Personen über Drancy in die Todeslager deportiert, zwei Tage später fuhren weitere 800 mit „unbekanntem Ziel“ ab. Zwischen dem 24. August 1942 und dem 3. März 1943 wurden dann 1.457 weitere Menschen aus dem „Camp de Gurs“ über Drancy deportiert, während dort im gleichen Zeitraum 1.038 Tote und 910 Flüchtige registriert wurden.

Das französische Innenministerium ließ das Lager in Gurs im November 1943 schließen. Im April 1944 wurden hier jedoch 80 „Zigeuner“ sowie eine Gruppe weiblicher Häftlinge aus dem Lager Brens im Département Tarn erneut interniert. Nach der Befreiung der Region von der deutschen Wehrmacht wurden im „Camp de Gurs“ deutsche Kriegsgefangene und französische Kollaborateure interniert.

Die Gesamtbilanz ist erschreckend: Von den 6.540 im Oktober 1940 Deportierten aus Baden und der Saarpfalz starben in Gurs oder in dessen Nebenlagern nachweislich 1.751 Personen. 1.518 Internierte konnten diese Lager verlassen, in Frankreich und anderen Ländern untertauchen oder in sichere Länder fliehen. Schätzungsweise 2.653 Gefangene wurden zwischen dem 10. August 1942 und dem 30. Juni 1944 über das Sammellager Drancy bei Paris in 35 Transporten in die Vernichtungslager deportiert, die meisten von ihnen nach Auschwitz.

Gurs blieb als Gedenkort lange vergessen. Der Karlsruher Oberbürgermeister ergriff 1957 gemeinsam mit dem Oberrat der Israeliten Badens die Initiative, immerhin den Häftlingsfriedhof instand zu setzen. 1961 begannen die Arbeiten, die zwei Jahre andauerten. 1980 gründete sich dann ein Freundeskreis ehemaliger Häftlinge, und erst 1994 gestaltete der israelische Künstler Dani Karavan im Auftrag des französischen Staates eine Erinnerungsstätte. Sie besteht aus mehreren großen Skulpturen aus Holz und Beton, die die Konturen der Baracken und des Lagerplatzes wiedergeben. Eine Dauerausstellung zeigt seit 2004 Dokumente und Erinnerungen zur Geschichte des Lagers.

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