Sicherheitsdienst (SD) der SS
Auf Initiative des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, wurde 1931 unter Federführung von Reinhard Heydrich ein Nachrichtendienst innerhalb der SS eingerichtet. Unter der Bezeichnung „Sicherheitsdienst“ (SD) zählte es zu den zentralen Aufgaben dieser „Parteipolizei“, innerparteiliche und äußere „Gegner“ der NSDAP zu überwachen. 1934 stieg der SD zum alleinigen Nachrichtendienst der NSDAP auf, wobei Himmler die Arbeitsgebiete von SD und von Geheimer Staatspolizei (Gestapo) festlegte: Der SD war für die Ermittlung von Gegnern des NS-Regimes zuständig, die Gestapo für die Gegnerbekämpfung.
Der Sicherheitsdienst der SS verfügte 1934 mit rund 200 Mitarbeitern im gesamten Reich aber weder über die personellen Ressourcen noch über die notwendige Autorität, um die antijüdische Politik wesentlich zu beeinflussen. Erst nach der Verabschiedung der „Nürnberger Gesetze“ nahm der SD die planmäßige „Bekämpfung des Judentums“ in Angriff und verzeichnete anschließend einen steten Personalzuwachs. Im Januar 1936 wurde schließlich eigens die Abteilung II112 eingerichtet, in der Adolf Eichmann und Dieter Wisliceny, zwei der späteren Hauptorganisatoren der Deportation der europäischen Juden, von Beginn an mitarbeiteten. Um den Terror möglichst zielsicher zu gestalten, versuchte die „Judenabteilung“ des SD ab 1937, alle „in Deutschland vorhandenen Juden und Judenstämmlinge“ in einer Kartei zu erfassen“. Im Rahmen der Volkszählung 1939 wurden dann die individuellen Daten der gesamten jüdischen Bevölkerung und der „Judenmischlinge“ erhoben und in den Einwohnermelderegistern vermerkt.
Am 1. November 1937 trafen sich 66 Abteilungsleiter, Referenten und Hilfskräfte des SD, die entweder in der Berliner Zentrale oder in den SD-Oberabschnitten für die Judenfrage zuständig waren. Im Rahmen dieses Treffens wurde unter anderem die „Methodik“ erläutert, mit der die SD-Männer den Juden das Leben unerträglich machen sollten: „Keine Minute Ruhe geben, stets die führenden Juden durch Vermahnungen in Atem halten, auf jede unseren Grundsätzen zuwiderlaufende Regung, auch die kleinste, sofort reagieren, kurz: völliges Eindringen in das jüdische und insbesondere das jüdisch-politische Eigenleben. Dadurch wird zwangsläufig der Auswanderungsgedanke genährt und die Idee von einem vielleicht doch noch möglichen Weiterverbleiben in Deutschland immer mehr untergraben.“
Im Laufe des Jahres 1938 gelang der „Judenabteilung“ des SD die konsequente Vertreibung der Juden aus Deutschland als Leitlinie der antijüdischen Politik durchzusetzen und die befürchtete Stagnation der jüdischen Auswanderung abzuwenden.
Der SD, aus dem mehrere besonders radikale SS-Führer hervorgingen, entwickelte sich im Laufe der Jahre und insbesondere während des Krieges zu einem höchst effizienten Nachrichtenapparat mit 1944 etwa 6.400 hauptamtlichen Mitarbeitern. Zusätzlich wurde ein Netz von schließlich rund 30.000 Informanten (V-Männer) aufgebaut. Auf der Grundlage von deren Berichterstattung wurden regelmäßige Lageberichte zusammengestellt, die als unter anderem als „Meldungen aus dem Reich“ die NS-Führung über die innenpolitische Lage und die Stimmungen in der Bevölkerung unterrichten sollten.