Polizeibataillone
Als Polizeibataillone wurden während der Zeit des Zweiten Weltkriegs paramilitärische Einheiten der Ordnungspolizei bezeichnet, die unter Verantwortung von Kurt Daluege zur Unterstützung der Wehrmacht gebildet wurden. Zunächst 21 an der Zahl mit jeweils rund 500 Mann waren schließlich insgesamt mindestens 130 solcher Bataillone mit 500 bis 700 Mann und somit mit mehr als 65.000 Männern nachweisbar.
Bei ihrer Mordarbeit in den besetzten Gebieten wurden die Polizeibataillone durch zwei parallele Befehlsketten gesteuert. Alle Angelegenheiten, die örtlich stationierte Ordnungspolizeiverbände betrafen, führten über regionale Kommandeure der Ordnungspolizei (KdO) zu den Befehlshabern der Ordnungspolizei (BdO) und von dort aus zum Hauptamt nach Berlin. Waren hingegen Einsätze zwischen Einheiten der Ordnungspolizei, der Sicherheitspolizei und Einheiten der SS zu koordinieren, trat eine zweite Befehlskette in Kraft. In jedem Distrikt hatte Himmler SS- und Polizeiführer (SSPF) installiert, die ihre Weisungen wiederum von den Höheren SS- und Polizeiführern (HSSPF) erhielten, dem neuen Typus des Polizeiführers, der als Vorbild für die Gesamtausrichtung der Polizei als militärische und vor allem ideologische Speerspitze des Nationalsozialismus galt.
Die Bataillone bildeten das Kernstück der mobilen deutschen Polizeiverbände im Vernichtungskrieg. Klaus-Michael Mallmann etwa charakterisierte sie als „Fußvolk der Endlösung“. Sie waren seit dem Überfall auf Polen im Einsatz und übernahmen verschiedene Aufgaben, von denen viele in Verschleppungen und Massenmorden endeten. Dabei fielen ihnen mindestens 500.000 Menschen zum Opfer. Andere Autoren - wie Thomas Kölhler - kommen zu weitaus höheren Zahlen. Demnach sollen diese mobilen Mordeinheiten des Polizeiapparates zu einem „Hauptakteur des Völkermords“ an den europäischen Juden geworden sein, dem jedes sechste Holocaust-Opfer - mindestens 1,2 Millionen - zum Opfer fielen. Eine der frühen dieser grausamen Taten war die Mordaktion am 11. November 1940 in der Stadt Ostrów Mazowiecka im Distrikt Warschau. Angehörige von Polizeibataillonen löschten dabei durch Massenerschießungen erstmals eine lokale jüdische Bevölkerung vollständig aus. Auch Schreckensorte wie Babij Jar am Stadtrand von Kiew der Kamenz Podolsk in der Westukraine zählten zu den Tatorten der Polizeibataillone. Das grausamste aller Massaker fand am 3. November 1943 in Lublin statt. Bei der Aktion „Erntefest“ im Vernichtungslager Majdanek erschossen Angehörige des Polizeibataillons 101 aus Hamburg zusammen mit den Bataillonen 41 (Leipzig), 67 (Essen) sowie Mitgliedern des I./SS-Gendarmeriebataillons und der Polizei-Reiterabteilung 18.000 Jüdinnen und Juden in offenen Gruben. Insgesamt fielen dieser Mordaktion in Majdanek und Umgebung etwa 42.000 Jüdinnen und Juden zum Opfer. Es war der Abschluss der „Aktion Reinhardt“ zur Auslöschung der drei Millionen polnischen Juden.
Viele der Täter wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Das gilt etwa für Rolf-Joachim Buchs, der als Polizeioffizier für das Massaker bei der zur Explosion gebrachten Großen Synagoge in der ostpolnischen Stadt Bialystok im Juni 1941 Hauptverantwortlicher war. Buchs fungierte damals einer der beiden Kompaniechefs des Polizeibataillons 309 aus Köln, das mindestens 800 Jüdinnen und Juden in die Synagoge getrieben hatte, wo die Eingesperrten durch die Detonation zerfetzt wurden oder bei lebendigem Leibe verbrannten. Um die Synagoge herum wurden Flüchtende mit Maschinengewehrsalven erschossen. Der Polizeioffizier hingegen setzte seine Karriere nach dem Krieg fort, war Ausbilder der Polizei in Nordrhein-Westfalen und Lehrer für Staatsbürgerkunde! Als einer von ganz wenigen wurde er später im Wuppertaler Bialystok-Prozess immerhin noch wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Die allermeisten Täter aber kamen ungeschoren davon.