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Jüdischer Nationalfonds

Seit dem ersten Zionistischen Kongress, der 1897 in Basel stattgefunden hatte, galt es als oberstes Ziel des politischen Zionismus, dem jüdischen Volk im Sinne einer modernen Nation eine „öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina“ zu schaffen. Insofern war jede Auswanderung dorthin stets auch eine Hinwendung zur Heimat aller Jüdinnen und Juden - „Erez Israel“ - und damit die Rückkehr in das versprochene „Gelobte Land“. Hierzu galt es, in Palästina schrittweise eine jüdische Mehrheit anzusiedeln, für die jedoch genügend Raum zur Verfügung stehen musste. Daher rief der Fünfte zionistische Weltkongress am 29. Dezember 1901 eine jüdische Kolonisationsbank ins Leben: den „Jüdischen Nationalfonds“ (JNF). Von der Idee her handelte es sich dabei um eine Entwicklungsgesellschaft, die das Ziel verfolgte, in Palästina möglichst viel Land zu erwerben, um darauf Jüdinnen und Juden anzusiedeln. 1913 hatte die Organisation weltweit bereits rund 217.000 Mitglieder. Nach Stationen in Basel, Wien, Köln, Den Haag und London wurde der Hauptsitz des Nationalfonds 1922 nach Jerusalem verlegt und er in „Keren Kayemeth LeIsrael“ (KKL) (hebräisch: „Ewiger Fonds für Israel“) umbenannt.

Mit mehr als zwei Dritteln wurde der größte Teil des zumeist unfruchtbaren und brachliegenden Landes in Palästina von arabischen Großgrundbesitzern erworben, die insbesondere deshalb zum Verkauf an den JNF bereit waren, weil die jüdischen Käufer Preise zahlten, die sowohl über dem Marktwert als auch dem zu erwartenden landwirtschaftlichen Ertrag des Landes lagen. Da der von zionistischer Seite erworbene Boden auf Dauer zum Eigentum des jüdischen Volkes und damit dem Markt entzogen wurde, geriet kultivierbares Land in Palästina immer mehr zum knappen Gut. Insgesamt gingen in den 1920er-Jahren rund 500.000 Dunam legal in jüdischen Besitz über, zwischen 1930 und 1939 waren es nochmals mehr als 300.000 Dunam und von 1940 bis 1947 weitere 200.000 Dunam. So gelang es allein in den 1930er-Jahren in Palästina 130 Siedlungen - darunter 53 Kibbuzim - neu zu gründen, von denen die meisten entlegene landwirtschaftliche Außenposten darstellten. Bei der Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 besaß der JNF-KKL schließlich nahezu eine Million Dunam mit 230 Gemeinden und bereits fünf Millionen, im Zuge einer großangelegten Aufforstungsaktion gepflanzter Bäumen.

Die Ausweitung des jüdischen Landbesitzes wurde in diesen Jahrzehnten weniger durch eine mangelnde Verkaufsbereitschaft auf Seiten der arabischen (Groß-) Grundbesitzer eingeschränkt, als vielmehr durch mangelnde finanzielle Mittel der jüdischen Kaufinteressenten. Es musste für den JNF also in erster Linie darum gehen, möglichst umfassende Geldquellen zu erschließen, um das ambitionierte Vorhaben auch tatsächlich im erhofften Umfang realisieren zu können. Zunächst wurde die Strategie verfolgt, mit Großspenden begüterter Mäzene Boden zu erwerben, doch wurde schnell deutlich, dass man für den Landerwerb konsequenterweise die gesamte jüdische Diaspora einbeziehen musste, da die vom Fonds zusammengetragenen Mittel letztlich ja „vom Volk und für das Volk“ sein sollten. Für die nun initiierten ausgedehnten Sammelaktionen bediente man sich dreier Instrumente: der Einschreibung in das „Goldene Buch“, dem Verkauf eigener Briefmarken und insbesondere der „Blauen Büchsen“. Diese wurden zum populärsten Sammelinstrument, und so stand und steht damals wie heute in fast jedem jüdischen Haushalt eine solche Spardose, die in der Regel freitags vor Beginn des Schabbat „gefüttert“ wird.

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