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Judenrat

Judenrat

Eine Perversion ohnegleichen war im deutschen Vernichtungssystem die Einbindung der Opfer in den Prozess ihrer eigenen Ausbeutung und Vernichtung. Das geschah in den Gettos durch die sogenannten Judenräte, die jüdische Ghettopolizei, in den Kriegsgefangenenlagern durch die Lagerpolizei aus Kriegsgefangenen und in den Vernichtungslagern durch die jüdischen Arbeitskommandos.

Zur Organisation des dortigen innerjüdischen Lebens und zur reibungslosen Ausführung deutscher Befehle war vom NS-Regime in Gettos die Einrichtung von „jüdischen Ältestenräten“ - dem „Judenrat“ - befohlen worden.

In einem Schnellbrief an die Leiter der im Osten operierenden Einsatzgruppen hatte Reinhard Heydrich am 21. September 1939 deren Bildung angeordnet. Sie sollten zusammengesetzt werden aus bis zu 24 Rabbinern und anderen männlichen Personen, die möglichst bereits vorher eine höhere Stellung innerhalb der Gemeinden innegehabt hatten.

Die Judenräte waren der Weisung gemäß für die Zählung und Registrierung der Jüdinnen und Juden sowie den reibungslosen Ablauf ihrer Konzentration in den Städten zuständig. Laut Heydrich war jeder Judenrat „im Sinne des Wortes vollverantwortlich zu machen für die exakte und termingerechte Durchführung aller ergangenen oder noch zu ergehenden Weisungen“. Für den Fall der Nichtbefolgung von Befehlen waren „die schärfsten Maßnahmen“ angedroht worden.

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