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Jüdische Hilfsorganisationen

Ohne die Unterstützung der Hilfsorganisationen im In- und Ausland wäre es noch weit weniger Verfolgten möglich gewesen, sich rechtzeitig aus dem Deutschen Reich in Sicherheit zu bringen. Die Tatsache, dass von den rund 500.000 Juden, die 1933 in Deutschland lebten, drei Fünftel emigrieren konnten (von denen allerdings viele später in den europäischen Staaten von ihren Verfolgern wieder eingeholt wurden), ist in erheblichem Maße solchen Hilfsorganisationen wie dem American Jewish Joint Distribution Committee (Joint), dem HICEM, dem Central British Fund for German Jewry oder der Jewish Agency for Palestine zu verdanken, die sich mit enormen Finanzmitteln und persönlichem Engagement für die Emigration der Juden einsetzten und so oftmals lebensrettend wirkten.

Als sich ab 1939 die Situation der jüdischen Bevölkerung im deutschen Einflussbereich nochmals dramatisch verschlechterte, engagierte sich auch der Jüdische Weltkongress in der Flüchtlingspolitik. Neben diesen international tätigen Organisationen existierten in nahezu sämtlichen Aufnahmeländern weitere kleinere Hilfsorganisationen, deren Aktivitäten bislang und sehr unzureichend untersucht und von denen einige noch nicht einmal namentlich erfasst sind.

In Deutschland selbst - ab 1938 auch im „angeschlossenen" Österreich - wurden die Möglichkeiten der dort angesiedelten Hilfsorganisationen allerdings schrittweise immer weiter eingeschränkt, wobei sich die zunächst unabhängig arbeitenden zahlreichen Vereinigungen schließlich unter dem Dach der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland (RVJD) zusammenschließen mussten. Durch diesen Konzentrationsprozess wurde der Gestapo die Kontrolle von deren Aktivitäten erleichtert. Bei der Unterstützung der Verfolgten und Auswanderungswilligen trat in erster Linie der „Hilfsverein der Juden in Deutschland“ in Erscheinung, der sich als „Abteilung Wanderung“ ebenfalls dem RVJD anschließen musste. Mit seinen zahlreichen Ortsverbänden war der Hilfsverein die wichtigste Anlaufstation für die jüdische Bevölkerung, ohne es jedoch zu vermögen, stets zur Zufriedenheit aller zu arbeiten.

Ab dem 1. September 1939 gestaltete sich die Arbeit der Hilfsorganisationen immer mehr zum Wettlauf gegen die Zeit. In Prag, Amsterdam und Paris mussten wegen des schrittweisen Vordringens der Wehrmacht und der damit verbundenen deutschen Besatzung wichtige Kontaktstellen bis Mitte 1940 geschlossen werden. Auch die – sich unter den neuen Bedingungen teilweise auch wandelnde - Flüchtlingspolitik potentieller Aufnahmeländer erschwerte das Wirken der Hilfsorganisationen. Aufgrund zunehmender Restriktionen riegelten staatliche Behörden Fluchtwege nach und nach ab, so dasss es im Sommer und Herbst 1941 dann praktisch keine Orte in Europa mehr gab, an denen eine auch nur in Ansätzen erfolgversprechende Flüchtlingsarbeit möglich gewesen wäre. Zu diesen Ausnahmen zählten neben England vor allem Portugal und die Schweiz.

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