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HICEM - HIAS

Das HICEM war eine 1927 gegründete Organisation, deren Ziel es war, den europäischen Jüdinnen und Juden bei der Auswanderung zu helfen. Sie entstand durch den Zusammenschluss von drei jüdischen Migrationsvereinigungen: HIAS (Hebrew Immigrant Aid Society), mit Sitz in New York hatte; ICA (Jewish Colonization Association), die in Paris angesiedelt, aber als britische Wohltätigkeitsorganisation registriert war, und der EMIGDIRECT (Emigrationsdirectorium = „Vereinigtes Komitee für jüdische Auswanderung“), einer Migrationsorganisation mit Sitz in Berlin. Der übergreifende Name HICEM ist ein Akronym von HIAS, ICA und EMIGDIRECT.

Auch die HIAS war bereits lange vor der NS-Zeit ins Leben gerufen worden und diente um die Wende zum 20. Jahrhundert vorrangig dazu, Verfolgte aus den osteuropäischen Pogrom-Gebieten bei ihrer Emigration zu unterstützen. Aber auch die finanzielle Hilfe für in Not geratene jüdische Gemeinden in Russland oder der Ukraine stand auf ihrer Agenda. Mit der Judenverfolgung unter dem NS-Regime gesellte sich ab 1933 mit der Rettung mitteleuropäischer Jüdinnen und Juden ein bedeutendes Aufgabengebiet hinzu, das im Laufe der 1930er Jahre immer stärker in den Fokus der HIAS-Arbeit rückte. Im Zuge der Aufteilung von Zuständigkeiten kümmerte sich die Organisation zunächst um die Geflüchteten, die in den europäischen Nachbarstaaten des Deutschen Reiches untergekommen waren.

Zum „Normalprogramm“ der HICEM zählten folgende Aufgaben:

„1. In den Auswanderungs- und Durchgangsländern:
a) Die jüdischen Auswanderer soweit wie möglich über die Lebensbedingungen, ganz besonders aber über den industriellen und landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt in den Immigrationsländern zu unterrichten.
b) Den jüdischen Auswanderern jede juristische und konsularische Hilfe angedeihen zu lassen, d. h. zu ihren Gunsten bei den verschiedenen Regierungsinstanzen und Konsulaten zu intervenieren, um ihnen die Erlangung der zur Auswanderung erforderlichen Papiere und Visen zu erleichtern.
c) Die Auswanderer vor und während der Überfahrt vor Schwindlern und Ausbeutern aller Art, denen sie leider nur zu oft in die Hände fallen, zu bewahren und ihnen alle Reiseannehmlichkeiten zu verschaffen.
d) Durch Einrichtung von Sprach-, Berufs- und Landwirtschaftskursen in den Emigrationsländern die Auswanderer gemäß den jeweiligen Erfordernissen des Landes, in das sie einzuwandern gedenken, vorzuschulen.

2. In den Einwanderungsländern:
a) Den sachgemäßen Empfang der Auswanderer bei der Landung sicherzustellen und in den hauptsächlichen Einwanderungshäfen geeignete Unterkunftsstätten zu errichten.
b) Sowohl in den Häfen als auch in den Städten im Innern des Landes Arbeitsnachweise zu schaffen und zu unterhalten.
c) Sprachkurse in der Landessprache ins Leben zu rufen und die Berufsschulung bei den Neuankömmlingen fortzusetzen.“

Ihre Tätigkeit sollte der HICEM mit Hilfe eines Netzes von Büros und Komitees erledigen, das sich auf alle wichtigen Wanderungsländer erstreckte.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen intensiviert, wobei die Aufgabe von HICEM/HIAS vorrangig darin bestand, Verfolgten möglichst schnell den Weg in die sichere USA zu ebenen. Dabei scheute die HIAS auch nicht davor zurück, vereinzelt die rigiden US-Einwanderungsbestimmungen zu umgehen, weil sie als Hilfsorganisation, die ausschließlich mit Spenden arbeitete, vom Wohlwollen der amerikanischen Regierung unabhängiger war als beispielsweise das „American Jewish Joint Distribution Committee“ (JDC = „Joint“).

Nachdem deutsche Truppen ab Mitte 1940 immer größere Teile Westeuropas besetzt hielten, entwickelte sich die Rettung zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Enge Absprachen mit anderen Hilfsorganisationen waren nötig, um Fluchtwege auszuloten und Aufnahmeländer ausfindig zu machen. Die Einsatzgebiete der HIAS erweiterten sich vom unbesetzten Teil Frankreichs über die iberische Halbinsel bis nach Mittelamerika und Asien.

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