Evian (Konferenz)
Der „Anschluss“ Österreichs und die daraufhin dort folgenden Pogrome zogen sich über Wochen hin und zwangen Tausende von Jüdinnen und Juden, das Land zu verlassen. Diese massive Fluchtbewegung veranlasste nahezu alle potentiellen Zufluchtsstaaten, ihre Einwanderungsbestimmungen zu verschärfen und die Grenzkontrollen auszubauen.
Vor diesem Hintergrund fand vom 6. bis 15. Juli 1938 im französischen Badeort Evian am Südufer des Genfer Sees eine auf Initiative von US-Präsident Franklin D. Roosevelt einberufene Konferenz statt, in deren Rahmen das Flüchtlingsproblem diskutiert und nach Wegen zu dessen Lösung gesucht werden sollten. Die Veranstaltung stand jedoch unter schlechten Vorzeichen, denn sämtlichen 32 Teilnehmerstaaten war von Roosevelt bereits in dessen Einladung am 25. März zugesichert worden, dass von ihnen keine Veränderung ihrer Einwanderungsgesetze erwartet würde. Entsprechend enttäuschend fielen die Ergebnisse aus: Mit Ausnahme der Dominikanischen Republik bekundeten die Repräsentanten aller Teilnehmerstaaten zwar ihr Mitgefühl mit den jüdischen Flüchtlingen, erklärten jedoch, sie selbst seien leider nicht in der Lage, weiteren Menschen Zuflucht zu bieten.
So brachte das Treffen in Evian den Verfolgten nicht nur keinerlei Hilfe, sondern verschlechterte ihren Status eher noch. Das NS-Regime verhöhnte die jüdische Bevölkerung, die kein anderes Land bei sich aufnehmen wolle. Es konnte vor der Weltöffentlichkeit künftig unwidersprochen darauf verweisen, dass die westlichen Demokratien das deutsche Vorgehen zwar verurteilten, ihrerseits aber auch keinerlei Bereitschaft zeigten, Jüdinnen und Juden einreisen zu lassen.