Deportationen
„Deportationen“ ist der gebräuchliche Ausdruck für die Zwangsverschleppung von Jüdinnen und Juden in die vom NS-Regime eingerichteten Konzentrations- und Vernichtungslager. Im Zuge dieser Transporte wurden Millionen von Menschen aus Deutschland und den besetzten Gebieten verschleppt, indem sie zumeist in Zügen wie Vieh zusammengepfercht und dorthin gebracht wurden, wo sie ermordet oder aber durch Zwangsarbeit ausgebeutet werden sollten.
Die vorbereitenden Arbeiten für diese Großtransporte wurden von der Gestapo den lokalen Stellen der Reichsvereinigung der Juden übertragen. Dazu zählte in der Regel, die von einer Deportation Betroffenen zu benachrichtigen und temporäre Sammellager für sie einzurichten, in denen die jeweils rund tausend Aufgerufenen die jeweils ein oder zwei Tage vor dem Abtransport verbringen mussten. Zuvor hatten sie Anweisungen zum Packen erhalten, mussten anschließend ihre Wohnungen verschließen, die Schlüssel auf dem nächsten Polizeirevier abgeben und Vermögenserklärungen ausfüllen. Zumeist war ihnen im Vorfeld erklärt worden, sie würden im Osten angesiedelt und hätten sich entsprechend auszurüsten, wobei in aller Regel keine Zweifel über die Härte zu erwartenden Umstände gelassen wurden. Entsprechend stieg die Zahl der Selbstmorde im Vorfeld der Deportationen, die seitens der Forschung für den gesamten zwölfjährigen Zeitraum der NS-Herrschaft auf rund 10.000 geschätzt wird, von denen etwa ein Drittel auf die Zeit der Deportationen entfallen sein soll.
Intern sprach die Gestapo mit Blick auf die Deportationen von „Judentransporten“, während die Sprachregelung gegenüber den Betroffenen selbst meist verharmlosend auf „Aussiedlung“, „Evakuierung“, „Abwanderung“ oder „auswärtiger Arbeitseinsatz“ lautete.
Die Forschung unterteilt die Deportationen aus dem Reichsgebiet in verschiedene Phasen: Die ersten Transporte im Oktober und Anfang November 1941 hatten das Getto Litzmannstadt als Ziel, in der unmittelbar anschließenden zweiten Phase bis Februar 1942 waren Minsk, Kaunas und Riga die Ziele der Züge. In diesen beiden Deportationswellen wurden etwa 60.000 der noch über 300.000 in Deutschland, dem annektierten Österreich und dem Protektorat Böhmen und Mähren lebenden Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma „nach Osten“ gebracht. Eine dritte Welle fand zwischen Mitte März und Mitte Juni 1942 statt, mit der rund 55.000 Menschen in Gettos und Lager im Distrikt Lubin (Izbica, Piaski, Zamosc u. a.) und nach Warschau transportiert wurden. Ab Juni 1942 begannen schließlich Transporte derer, die gemäß geltender Richtlinien - zumeist aufgrund ihres Alters - bis dahin zurückgestellt worden waren, nach Theresienstadt. Auch weiterhin gingen Züge nach Minsk, Majdanek/Sobibor, Riga und ab Juli 1942 dann verstärkt auch nach Auschwitz ab, das 1943 dann zum Hauptzielort wurde. Auch aus den genannten Aufnahmegettos gelangten Massentransporte in die Vernichtungslager.
Als Mitte Juni 1943 die Deportationen aus dem „Altreich“ weitgehend abgeschlossen waren, wurden die letzten Angestellten der Reichsvereinigung nach Theresienstadt deportiert und diese in eine „Mischehen“-Organisation umgewandelt, der künfig weitere, allerdings deutlich kleinere Transporte nach Theresienstadt organisierte.