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Gedenken

Nachdem 1946 Offiziere und Soldaten der tschechoslowakischen Armee in die barocken Kasernen eingezogen waren, wurde Terezin für 50 Jahre bis 1996 wieder zur Garnisonsstadt, in der Militär und Zivilgesellschaft zusammenlebten.

Am 6. Mai 1947 beschloss die tschechische Regierung die Errichtung einer „Gedenkstätte des nationalen Leidens“ auf dem Gelände der „Kleinen Festung“, zwei Jahre später wurde am 11. Juni 1949 das „Museum der Unterdrückung“ eröffnet, das sich aber ausschließlich dem Widerstand gegen die deutschen Besatzer widmete und - selbst im ehemaligen Getto selbst - keinen Raum zur Darstellung des Schicksals der jüdischen Bevölkerung ließ.

1964 wurde die Gedenkstätte aufgewertet, die nunmehr als Kultureinrichtung auch Material sammeln und forschen und hierbei das Getto in die Erinnerungsarbeit einbeziehen konnte. 1967 wurde auch die Gründung eines Gettomuseums ins Auge gefasst, die jedoch durch den Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag hinfällig wurde. Sämtliche Forschungen und Projekte, die nicht unmittelbar der Glorifizierung des kommunistischen Widerstands gegen die NS-Okkupation dienten, wurden umgehend eingestellt.

Erst der Zusammenbruch des politischen Systems 1989/90 ermöglichte dann zu Beginn der 1990er-Jahre doch noch die Errichtung eines Gettomuseums als Zentrum der Gedenkstätte. Dessen Ausstellung blieb jedoch ein Jahrzehnt lang ein Provisorium, bis zum 60. Jahrestag der Errichtung des Gettos 2001 die neue Dauerausstellung im ersten Stock des ehemaligen Schulgebäudes eröffnet werden konnte. In Gestalt der „Theresienstädter Initiative“ trat nun auch eine internationale Vereinigung ehemaliger Häftlinge auf den Plan, die sich aktiv und ohne ideologische Fesseln am Neubau beteiligte und ihn mitgestaltete. 1994 erschien der erste Band des Jahrbuchs „Theresienstädter Studien und Dokumente“, in dem seither wesentliche Forschungsarbeiten zur Geschichte des Gettos parallel in einer deutschen und in einer tschechischen Ausgabe publiziert werden.

Nachdem das Militär 1996/97 aus Theresienstadt abgezogen war, wurden die Gebäude weitgehend dem Verfall preisgegeben. Lediglich zwei Objekte - die „Magdeburger Kaserne“, die überwiegend von der Gedenkstätte genutzt wird, und die „Kleine Infanteriekaserne“, die seitdem als Archivdepot dient - wurden im Auftrag des tschechischen Kulturministeriums renoviert. Der Rest der Stadt droht durch fehlende Investitionsbereitschaft und aufgrund von Wegzug zur Brache zu verkommen; Theresienstadt zählt heute kaum mehr 2.000 Einwohner.

„Noch ein, zwei Jahre, dann werde der mächtige Komplex der Großen Infanteriekaserne in Theresienstadt gar nicht mehr zu retten sein“, klagte laut „Tagesschau“ im Mai 2021 Robert Czetmayer, der Chef des örtlichen Bauamts. Die Stadt, so resümiert der „Tagesschau“-Bericht, liege in einem „bleiernen Schlaf“ und könne „sich nicht aus eigener Kraft um das ausgedehnte Erbe kümmern“, mit dem sie schlicht überfordert sei.[1]

Fußnoten

[1] Zitiert nach https://www.tagesschau.de/ausland/europa/theresienstadt-gelaende-zerfaellt-101.html (6.10.2021).

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