„Sonderaktion 1005“ und Aufgabe
Als im Frühsommer 1942 auch in Kulmhof klar wurde, dass andere Lösungen zur Beseitigung der ungeheuren Zahl an Leichen gesucht werden mussten, experimentierte das dort aktive das Sonderkommando ab Juni mit unterschiedlichen Methoden der Leichenverbrennung. Bereits vermutlich seit Januar des Jahres setzte man sich auch in Berlin an höchster Stelle mit dem auch andernorts spürbaren Problem auseinander, woraus schließlich - vermutlich im April - die Anordnung resultierte, zu diesem Zweck eine auch als „Enterdung“ bezeichnete Aktion ins Leben zu rufen, die schließlich mit dem Namen „Sonderaktion 1005“ versehen wurde. In deren Rahmen sollten die Leichen der von Deutschen Ermordeten aus den über ganz Ostmittel- und Osteuropa verteilten Massengräbern exhumiert verbrannt werden.
In Kulmhof selbst führte das zugleich zu einer Änderung der bis dahin praktizierten Abläufe. Künftig wurden die Leichen aus den neu im „Waldlager“ eintreffenden LKW-Transporten direkt eingeäschert. Alle nicht vollständig verbrannten sterblichen Überreste der Opfer wurde in einer Knochenmühle zermahlen und die Asche in einen nahen Fluss geschüttet. Der Rauch dieser Leichenverbrennung im „Waldlager“ war gut zu sehen und der Geruch im Umkreis von bis zu 15 Kilometern wahrnehmbar.
Im Frühjahr 1943 kamen nur noch wenige Transporte in Kulmhof an und das Lager verlor nach und nach seine Funktion. Im März 1943 wurden schließlich die drei „Gaswagen“ verladen und per Bahn nach Berlin geschickt.
Gauleiter Greiser bedankte sich bei den im Rahmen der Vernichtung aktiven Beamten mit einem Geldgeschenk und richtete am 5. März 1943 für insgesamt 92 Personen in der Gaststätte „Riga“ in Warthbrücken eine regelrechte Abschlussfeier aus.
Bevor die Männer dann ihren alten Einsatzort verließen, sprengten sie am 7. April das „Schloss“ und beseitigten möglichst alle Spuren, was darauf hindeutet, dass das Vernichtungslager nicht weiter verwendet werden sollte. Einige Tage darauf rückten Lagerleiter Hans Bothmann mit seinen Männer ab. nun erinnerte für längere Zeit lediglich die Ruine des Gutshauses und eine riesige verwüstete Waldlichtung daran, dass an diesem Ort in den vorangegangenen sechzehn Monaten mehr als 145.000 Menschen ermordet worden waren.