Opfer
Nach den Pogromen und den Mordaktionen der Einsatzgruppen an jüdischen Männern waren es vor allem Alte, Frauen und Kinder, die bis zu dessen Abriegelung im Oktober 1941 in das Rigaer Getto zogen oder dorthin gezwungen wurden. Von dessen etwa 30.000 Insassen waren etwa 8.200 Männer, 15.700 Frauen und 5.600 Kinder unter 14 Jahren. Sie wurden im Zuge der „Freimachung“ für die aus dem Westen eintreffenden Deportationstransporte fast alle von SS-Männern und ihren Helfern in den Wäldern der Umgebung ermordet.
Gemäß der Transportlisten wurden anschließend in den Zeiträumen November 1941 bis Februar 1942 und August bis Oktober 1942 in 25 Transporten insgesamt 24.605 Jüdinnen und Juden neu ins Getto gebracht. Im Unterschied etwa zu den Gettos in Litzmannstadt, Warschau und Theresienstadt lebten sie mehrheitlich in einem offeneren Getto - sofern sie als „arbeitsfähig“ beurteilt wurden. Jene, auf die das nicht zutraf, wurden im Rahmen von als „Aktionen“ bezeichneten Selektionen ermordet, während sonstige Mordaktionen für das Rigaer Getto nicht nachweisbar sind. Die dortige Form des Holocaust muss eher als eine beständige Abfolge von Einzeltaten zahlreicher deutscher Besatzer verstanden werden. Als Riga dann zwischen August und Oktober 1942 allerdings nochmals zum Zielort für vier Deportationstransporte aus Berlin und einen aus dem Getto Theresienstadt wurde, kam es zu einem neuerlichen Massaker, in dessen Rahmen bis auf ganz wenige Ausnahmen etwa 4.500 Menschen unmittelbar nach ihrer Ankunft im Wald von Bikernieki umgebracht wurden.
Wie viele der ursprünglich ins Getto Deportierten bei der endgültigen Evakuierung nach Stutthof im Spätsommer und Herbst 1944 noch lebten, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Es deutet jedoch vieles darauf hin, dass die meisten deutschen, österreichischen und tschechischen Jüdinnen und Juden noch im Laufe der letzten Kriegsmonate nach dieser Evakuierung aus Riga ermordet worden. Insgesamt wurden lediglich 1.073 Überlebende gezählt. In ganz Lettland haben lediglich etwa 600 einheimische Jüdinnen und Juden überlebt, weitere 400 überstanden die NS-Zeit in deutschen Konzentrationslagern.