Opfer
Zehntausende Jüdinnen und Juden aus Weißrussland und jene, die aus anderen europäischen Ländern dorthin deportiert worden waren, wurden in den Wäldern um Maly Trostenez ermordet. Die Namen der meisten Opfer konnten später nicht mehr ermittelt werden. Während für die Deportationen aus dem Westen meist Listen erstellt wurden, mordeten die deutschen Einheiten in den besetzten sowjetischen Gebieten, ohne ihre Verbrechen zu dokumentieren. Sicher nachweisen lassen sich mehr als 30.000 Opfer, die jedoch lediglich einen Bruchteil der dort tatsächlich getöteten und verbrannten Menschen ausmachen, denn es diente ja auch als Tötungsort für Jüdinnen und Juden aus dem Getto Minsk und der Umgebung. Da Maly Trostenez zwar der größte, aber nur einer von vielen Tötungsorten in der Region Minsk war, lassen sich aufgrund fehlender Unterlagen keine exakten Zahlen benennen. Sicher ist lediglich, dass die jüdische Bevölkerung im östlichen Weißrussland Mitte 1941 rund 400.000 betrug, von denen etwa 80 Prozent ermordet wurden.
Sie waren aber bei weitem nicht die einzigen Opfer. Hinzu kam eine ebenfalls kaum zu rekonstruierende Zahl nicht jüdischer Ermordeter - weißrussische Zivilisten, Partisanen und vor allem sowjetische Kriegsgefangene -, die bei Razzien und Unternehmungen der Partisanenbekämpfung gefangen genommen und anschließend getötet worden waren.
Daher variieren die verschiedenen Schätzungen erheblich. Die Minsker Abteilung der „Außerordentlichen Staatlichen Untersuchungskommission zur Aufdeckung deutsch-faschistischer Verbrechen“ legte bereits am 13. August 1944 fest, dass bei Maly Trostenez insgesamt 206.500 Menschen ermordet worden seien - 150.000 in Blagowschtschina, 50.000 in Schaschkowka und 6.500 nochmals im Juni 1944 in der Scheune auf dem SS-Gut. Diese Zahlen gelten seither in Weißrussland als offiziell.
Letztlich sind sie jedoch nichts anderes als pauschale Schätzungen, die zudem unter erheblichem politischem und zeitlichem Druck aus Moskau zustande kamen. Die westliche Forschung geht mittlerweile davon aus, dass in und um Maly Trostenez mindestens 60.000 bis 65.000 Jüdinnen und Juden ermordet wurden, ohne präzisere Angaben für möglich zu halten.
Eins dürfte trotz aller fehlenden Quellen aber als sicher gelten: Von jenen, die nach Maly Trostenez kamen, überlebten nur sehr wenige. Von den rund 9.000 österreichischen Jüdinnen und Juden etwa, die hierhin deportiert wurden, erlebten lediglich 17 das Kriegsende.