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Ankunft

Zwischen dem 11. Mai und dem 9. Oktober 1942 trafen 16 Züge - neun aus Wien, fünf aus Theresienstadt und jeweils einer aus Königsberg und Köln - mit insgesamt 15.399 Jüdinnen und Juden aus Deutschland, Österreich, dem „Protektorat“, Polen, und Frankreich zunächst auf dem Minsker Güterbahnhof, ab August dann an einem provisorischen Haltepunkt in unmittelbarer Lagernähe ein. Das geschah regelmäßig dienstags und freitags frühmorgens zwischen 4 und 5 Uhr.

Die anschließende Vorbereitung des Massenords spielte sich nach festem Muster ab. Die in Minsk eingetroffenen Jüdinnen und Juden wurden unter strenger Bewachung am frühen Morgen mitsamt ihrem Gepäck ausgeladen. Um einen möglichst „reibungslosen“ Ablauf der bevorstehenden Mordaktionen zu gewährleisten, wurden die Opfer dabei möglichst lange über das ihnen Bevorstehende getäuscht. Das dürfte nicht zuletzt deshalb zumindest teilweise gelungen sein, weil die Deportierten nach tagelanger, teilweise in Viehwaggons zugebrachter, äußerst strapaziöser Zugfahrt bei ihrer Ankunft zunächst einmal erleichtert gewesen sein dürften, diese Tortur überstanden zu haben. Überdies empfingen SS-Offiziere sie mit einer beruhigenden Ansprache mit reichlich Versprechungen: Sie würden in Wohnungen in und um Minsk verteilt oder in einem Lager untergebracht und anschließend in örtlichen Betrieben beschäftigt werden.[1] Ihre Koffer, so hieß es dann offenbar weiter, müssten sie allerdings zunächst zurücklassen; sie würden später per Lastwagen nachgeliefert. Zudem mussten alle Neuankömmlinge Ausweise, Geld und sonstige Wertsachen abgeben, für die sie Quittungen erhielten. Nicht zuletzt auch durch diesen scheinbar formal-bürokratischen Akt waren sich wohl viele der Opfer zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, was kurze Zeit später tatsächlich auf sie wartete.

Anschließend wurde auf dem Sammelplatz eine Selektion vorgenommen, in deren Rahmen pro Transport jeweils nur etwa 20 bis 50 Personen zur Zwangsarbeit auf dem „Landgut“ oder an anderen Arbeitsstellen ausgewählt wurden.

Fußnoten

[1] Wie glaubhaft solche Ansprachen auf die Neuankömmlinge wirkten, lässt sich aus den wenigen überlieferten Postkarten oder Briefen ablesen, die Deportationsopfer noch aus Minsk schreiben konnten. So schrieb der 19-jährige Oscar Hoffmann nach Ankunft des Kölner Transport in Minsk am 24.7.1942: „Nach 87-stündiger Fahrt sind wir gesund, munter und guten Mutes hier in Minsk angekommen. In Wolhonye [richtig: Wolkowysk] sind wir aus unserem Kölner Zug in Viehwagen verladen worden. Wie es heisst, sollen wir gleich samt unserem Gepäck den Bahnhof verlassen, um in unser Lager eingewiesen zu werden. Man vermutet, dass wir in der näheren Umgegend von Minsk bei Bauern in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Ob wir für längere Zeit hier bleiben, ist noch ungewiss. (…) Wie ich gerade höre, besteht eine gewisse Möglichkeit, dass wir in den hiesigen Betrieben in unseren Berufen arbeiten können.“ (Zitiert nach Corbach, Messe, S. 158). Oscar Hoffmann wurde am 27.8.1922 in Köln geboren und lebte in Siegburg. Er wurde am 20.7.1942 von Köln aus deportiert und am 24.7.1942 in Maly Trostenez ermordet.

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