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Einrichtung des Gettos

Noch während der täglichen Massenmorde an jüdischen Männern erging am 19. Juli 1941 die Anordnung zur Errichtung eines „jüdischen Wohnbezirks“ in Minsk, der damit zum ersten Zwangsbezirk für Juden im besetzten Weißrussland wurde. Bereits am folgenden Tag galt das Getto als offiziell eingerichtet, und die jüdische Bevölkerung aus sämtlichen Minsker Stadtteilen und dessen Umgebung mussten sich dorthin begeben. Hinzu kamen auch die zahlreichen jüdischen Flüchtlinge, die im Zuge der Besetzung aus der brennenden Stadt geflohen waren und danach im Minsker Umland umherirrten. Sie wurden ab August 1941 genötigt, in die Stadt zurückzukehren und sich im neuen Getto niederzulassen. Als Wehrmacht, SS und Polizei im Herbst 1941 dann die jüdischen Gemeinden im Minsker Umland völlig auslöschten, flohen die Überlebenden dieser Vernichtungsaktionen ebenfalls ins Getto der nahen Hauptstadt. Hinzu kamen schließlich noch jüdische Männer und Frauen, die mit nichtjüdischen Partnerinnen und Partnern geheiratet waren und daher - gemeinsam mit ihren Kindern - ins Getto ziehen mussten.

Wie viele Menschen im Sommer 1941 im Minsker Getto eingeschlossen wurden, ist wegen des Mangels an Quellen ungewiss. Wahrscheinlich ist eine Zahl zwischen 45.000 und 60.000 Personen. Andere Angaben gehen nach den Zuwächsen im Sommer und Frühherbst von bis zu 100.000 Gettobewohnern aus.

Der Zwangsbezirk lag nordwestlich des Zentrums und umfasste zu Beginn ein Gebiet von etwa zwei Quadratkilometern mit mindestens 34 Straßen und Gassen und umfasste auch den jüdischen Friedhof. In dem alten Stadtviertel, das überwiegend mit einstöckigen, oft baufälligen Holzhäusern aus der Zarenzeit bebaut war, hatte schon immer ein großer Teil der ortsansässigen jüdischen Bevölkerung gelebt.

Es war zunächst ein „offenes Getto“ und daher nicht von Beginn an durch Zäune oder Mauern vom übrigen Stadtgebiet abgeschottet. Einen festen Stacheldrahtzaun mit mehreren Reihen gab es nach Auskunft der dürftigen Quellen wahrscheinlich erst ab Sommer 1942, als das Getto faktisch zu einem Arbeitslager wurde. Seine Grenzen wurden aber auch ohne Zäune und Mauern seitens der deutschen Besatzer von Beginn an scharf bewacht.

Innerhalb von drei Jahren sollte die deutsche Besatzung auf weißrussischem Boden insgesamt 164 kleinere und größere Gettos einrichten.[1]

Fußnoten

[1] Diese Zahl nach http://www2.hu-berlin.de/berlin-minsk/static/minsk.html (20.9.2021).

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