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Einrichtung des Gettos und Alltag

Bis auf die ursprünglich im direkten Stadtzentrum von Lublin angesiedelten Jüdinnen und Juden, die nicht einmal mehr die Hauptstraße betreten durften, lebten große Teile der jüdischen Bevölkerung der Stadt bis ins Frühjahr 1941 hinein noch in ihren eigenen Wohnungen. Das hieß jedoch nicht, dass sie über weitreichende Freiheiten verfügten - im Gegenteil: Viele mussten für deutsche Einrichtungen und Unternehmen arbeiten, und wenn Arbeitskräfte fehlten, wurden häufiger Razzien durchgeführt, um auf diese Art und Weise neue Arbeitskräfte zu rekrutieren. Deutsche Einrichtungen, Offiziere und selbst einfache Soldaten plünderten parallel dazu weiterhin jüdische Geschäfte und Wohnungen.

Nachdem einige Tage zuvor noch rund 14.000 Lubliner Jüdinnen und Juden, die meisten von ihnen arm und ohne Arbeit, in mehrere Kleinstädte des Distrikts umgesiedelt worden waren, wurde der jüdische Wohnbezirk der Stadt am 24. März 1941 auf Befehl von Distriktgouverneurs Ernst Emil Zörner zum geschlossenen Getto erklärt. Es umfasste den ältesten und ärmsten Teil des historischen jüdischen Viertels der Altstadt, in dem nun geschätzt noch 40.000 Menschen lebten.

„Umsiedlungen“ und Gettobildung wurden vor allem durchgeführt, um neue Möglichkeiten zur Unterbringung von Wehrmachtseinheiten zu schaffen, die zu dieser Zeit an der Grenze zur Sowjetunion für den geplanten Angriff zusammengezogen wurden.

Das Lubliner Getto war bis März 1942 allerdings nicht derartig hermetisch abgeschlossen wie jene in Warschau und Litzmannstadt. Der jüdischen Bevölkerung war zwar der Zugang zu den so genannten „arischen Straßen“ untersagt, viele Familien, insbesondere jene, die als Fachkräfte für deutsche Einrichtungen arbeiteten, lebten noch außerhalb des Gettos. Auch die Lebensbedingungen waren - zumindest hinsichtlich der Versorgungslage - nicht mit jenen in anderen Gettos zu vergleichen, was ebenfalls vorrangig wohl auf die Kontakte zur Außenwelt zurückzuführen war.

Das führte sogar dazu, dass viele Jüdinnen und Juden aus dem Warschauer Getto sich nach Lublin absetzten. Dadurch verschlechterten sich naturgemäß die dotigen Lebensbedingen, vor allem die ohnehin äußerst angespannten und beengten Wohnverhältnisse, die den Ausbruch von Epidemien wie Fleckfieber begünstigten.

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