Menü

Die jüdische Bevölkerung

Am 9. November, jenem Tag, an dem Odilo Globocnik zum SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin ernannt worden war, fand auch die erste Umsiedlung von Jüdinnen und Juden im Stadtgebiet statt: In den frühen Morgenstunden umstellten SS-Männer das Stadtzentrum und holten sie aus ihren Wohnungen, wodurch die meisten von ihnen innerhalb weniger Minuten ihren gesamten Besitz verloren. Die gesamt jüdische Bevölkerung Lublins wurde an diesem Tag in die „Jüdische Stadt“ sowie die Altstadt umgesiedelt, woraufhin erneut viele Betroffene versuchten, die Stadt zu verlassen.

Am 23. November 1939 wurden dann alle in Lublin lebenden Jüdinnen und Juden, die älter als zehn Jahre waren, auf der Grundlage eines Erlass von Generalgouverneur Hans Frank gezwungen, einen „Judenstern“ als diskriminierendes Erkennungszeichen zu tragen. Ebenso mussten sämtliche jüdischen Geschäfte und Betriebe entsprechend gekennzeichnet werden.

Gegen Jahresende 1939 musste die jüdische Bevölkerung Lublins einen ersten sogenannten „Judenrat“ wählen, der für die Vertretung der jüdischen Interessen gegenüber der Besatzungsmacht verantwortlich zeichnete. Er setzte sich unter dem Vorsitz von Henryk Bekker aus 24 Mitgliedern zusammen. Gleichzeitig wurden einige jüdische Einrichtungen wie beispielsweise die „Jüdische Soziale Selbsthilfe“ ins Leben gerufen, die - wie auch das jüdische Krankenhaus, das Waisenhaus und das Altersheim - vom Judenrat kontrolliert wurden. Als im Dezember 1939 in der Lipowa-Straße ein Zwangsarbeitslager für aus den von der Wehrmacht gefangen genommenen polnischen Soldaten ausgesonderte jüdische Kriegsgefangene eingerichtet wurde, unterstellten die Besatzer es ebenfalls der Aufsicht und Verantwortung des lokalen Judenrats.

Im Laufe des Jahres 1940 führten SS- und Polizeieinheiten in Lublin und Umgebung zahlreiche Razzien durch. Die in deren Verlauf festgenommenen jüdischen Männer wurden zur Verrichtung von Zwangsarbeit in Arbeitslager in der Gegend um Bełżec interniert und beim Bau der „Ostwall“ genannten Grenzbefestigungen eingesetzt. Viele von ihnen wurden Opfer der dort herrschenden Arbeits- und Lebensbedingungen.

Außerdem ging die deutsche Besatzungsmacht auf Anweisung Globocniks 1940 dazu über, die jüdische Bevölkerung Lublins zwangsweise im jüdischen Viertel zu konzentrieren. Kurz bevor dann März 1941 das Getto offiziell eingerichtet wurde, wurden rund 14.000 Lubliner Jüdinnen und Juden in die ländliche Umgebung der Stadt umgesiedelt.

Baum wird geladen...