Gedenken
Da zunächst die sowjetische Besatzungsmacht den ehemaligen KZ-Komplex über mehrere Jahre nutzte, war ein Gedenken an die NS-Opfer am authentischen Ort zunächst ausgeschlossen.[1] Solche fanden in der unmittelbaren Nachkriegszeit daher im Oranienburger Stadtzentrum statt. Die dort beabsichtigte Errichtung eines Mahnmals wurde nicht realisiert. Und mit der Übernahme des Geländes durch die Kasernierte Volkspolizei begann im Jahr 1950 nicht etwa eine Zeit des Erinnerns und Gedenkens, sondern eine der Verwahrlosung und Zerstörung der historischen Bausubstanz. So erfolgte 1952/53 die Sprengung der als Ort der Vernichtung eingerichteten „Station Z“, an dem die Volkspolizei ausgerechnet einen „Schießgarten“ zu errichten gedachte. Auch die lokale Bevölkerung war an den Zerstörungen beteiligt, indem Baracken aus dem vormaligen Häftlingslagerbereich als Bau- und Brennmaterial verwendet wurden. Insgesamt wurde das ehemalige Häftlingslager des KZ Sachsenhausen auf diese Weise weitestgehend „geschichtsbereinigt“.
Im Herbst 1951 beschloss dann die VVN, eine Gedenkstätten-Planungskommission zu gründen, um Relikte und Spuren der KZ-Zeit zu sichern und zu erhalten, was schließlich dazu führte, dass sich auch die SED-Führung in dieser Angelegenheit engagierte. Nach der im Februar 1953 vollzogenen Auflösung der VVN in der DDR trieb das „Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer“ die Pläne voran, bis im Dezember 1953 schließlich das Zentralkomitee der SED das Museum für Deutsche Geschichte beauftragte, Entwürfe für eine „museale Gestaltung“ der Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück auszuarbeiten. Dahinter stand der Wunsch der DDR-Führung nach einem repräsentativen Ort zur Betonung des antifaschistischen Widerstandskampfes.
Es dauerte jedoch bis 1956, bis die Nationale Volksarmee auf Druck ausländischer KZ-Überlebender, die Sachsenhausen besichtigen wollten, den ehemaligen Häftlingslagerbereich für den regulären Besucherverkehr freigab. Zugleich beschloss das Zentralkomitee der SED auf Initiative ehemaliger Häftlinge den Bau der drei nationalen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen, wobei ein von der SED-Führung eingesetztes Kuratorium die Gedenkstättenkonzeption im Gegensatz zu früheren Planungen nun jedoch auf das Dreieck des Schutzhaftlagers reduzierte. Da die originale Bausubstanz weitgehend zerstört war oder noch wurde, war die Topographie des Häftlingslagers nicht mehr erkennbar. An die Stelle der „Geometrie des totalen Terrors“ trat der Triumph des Antifaschismus, der in einem 40 Meter hohen Obelisken gipfelte, der an seiner Spitze mit roten Winkeln versehen wurde. Die Umsetzung der Pläne zog sich bis 1961 hin, bis am Jahrestag der Befreiung des Lagers am 22./23. April 1961 unter großer internationaler Beteiligung die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen mit Lagermuseum eröffnet wurde, das die Geschichte des Rassismus und des Antisemitismus weitgehend ausblendete. Erst nach Protesten der „Union der antifaschistischen Widerstandskämpfer Israels“ ließ die Regierung der DDR kurz vor der offiziellen Eröffnung der Gedenkstätte das „Museum des Widerstandskampfes und der Leiden jüdischer Bürger“ in den aus Originalteilen rekonstruierten Baracken 38 und 39 im Bereich des „Kleinen Lagers“ zusätzlich einrichten. Über die besondere Situation der jüdischen Häftlinge in Sachsenhausen erhielten die Besucher hier jedoch nur wenige Informationen, während Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und andere nicht politische Häftlingsgruppen - wie im Übrigen in westdeutschen Gedenkstätten zumeist auch - unerwähnt blieben.
Mit dem Ende der DDR begann nach 1989 die schrittweise Neugestaltung der Gedenkstätte nach Empfehlungen einer Expertenkommission unter Leitung der neu gegründeten „Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten“. Im Sommer 1991 wurde die Ausstellung des „Antifaschistischen Freiheitskampfes“ wegen ihrer politischen Einseitigkeit und ihrer wissenschaftlichen Unzulänglichkeit abgebaut, 1997 eine neue Ausstellung eröffnet. Weitere Dauerausstellungen kamen in den folgenden Jahren hinzu, wobei das dabei verfolgte dezentrale Ausstellungskonzept - etwa im Belower Wald - mit den jeweiligen Orten verbundene Aspekte der Geschichte des Lagers thematisiert.
Fußnoten
[1] Vgl. hierzu auch https://www.sachsenhausen-sbg.de/geschichte/seit-1993-gedenkstaette-und-museum-sachsenhausen/ (11.9.2021).