Selbstbehauptung und Widerstand
Dem täglichen Terror zu widerstehen und dabei zu versuchen, irgendwie zu überleben, war im Konzentrationslager Sachsenhausen Tag für Tag das wichtigste Ziel der dort Internierten. Das konnte kaum gelingen, wenn man auf sich allein gestellt war und blieb. Daher entwickelte sich - soweit die Umstände das überhaupt zuließen - unter den deutschen Häftlingsgruppen und hier insbesondere unter den Zeugen Jehovas und unter Teilen der politischen Häftlinge eine starke Gemeinschaft mit ausgeprägter Hilfsbereitschaft. Aber auch ausländische Häftlinge suchten in erster Linie unter Mitgefangenen ihrer Nationalität und Sprache Rückhalt. Versuche, bei der permanenten Überwachung über diese nationalen Schranken hinaus gegen die SS eine Solidaritäts- und Widerstandsarbeit aufzubauen, gab es - soweit man den Berichten Glauben schenken kann - in Sachsenhausen dann aber in beachtenswertem Umfang unter Führung kommunistischer Häftlinge aus verschiedenen Ländern erst seit etwa 1943. Angesichts des weit verbreiteten Misstrauens ausländischer Häftlinge gegen ihre deutschen Leidensgenossen blieben Ansätze zur Bildung eines geheimen internationalen Lagerkomitees jedoch rudimentär.
Hierbei dürfte es auch eine Rolle gespielt haben, dass Fluchtversuche aufgrund der umfassenden Sicherungs- und Bewachungsvorkehrungen im Lager in den ersten Jahren fast aussichtslos waren und daher weitgehend unterblieben. Bis 1942 wurden bis auf eine Ausnahme sämtliche aus dem Hauptlager Geflohenen durch den Einsatz von Hunde-Suchtrupps seitens der SS umgehend wieder gefasst. Als Kollektivstrafe mussten alle übrigen Häftlinge dann einen Strafappell über sich ergehen lassen, der erst beendet wurde, wenn die Entflohenen aufgespürt waren. Diese wurden dann - von Misshandlungen und Hundebissen entstellt - in einigen Fällen zur Abschreckung auf dem Appellplatz abgelegt, und die dort Angetretenen mussten an ihnen vorbeizulaufen.