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Häftlingsgruppen im Krieg

Im ersten Kriegsjahr war das KZ Sachsenhausen das größte nationalsozialistische Konzentrationslager. Ende 1939 waren dort mehr als 12.000 Menschen inhaftiert, wobei die Anzahl der eingelieferten Häftlinge noch weitaus höher lag. Für den Zeitraum von 1939 bis 1945 liegen - einschließlich der Außenlager - folgende Zahlen zum Jahresende vor:

1939:                     12.168
1940:                    10.577
1941:                     10.709
1942:                     16.577
1943:                     28.224
1944:                     47.709
20.4.1945:           34.873.

Der absolute Höchststand wurde dabei aufgrund der Zugänge aus anderen Lagern mit 56.824 im Februar 1945 erreicht. Diese Gesamtzahl setzte sich 1944 zu rund 90 Prozent aus ausländischen Häftlingen zusammen, unter Sowjets und Polen die größten Gruppen stellten. Unter den Häftlingen des KZ Sachsenhausen befanden sich in dieser Phase insgesamt auch rund 20.000 Frauen.

Nach Kriegsbeginn wurden zunächst viele im Deutschen Reich lebende Juden ursprünglich polnischer oder osteuropäischer Herkunft nach Sachsenhausen eingeliefert, so dass sich deren Zahl bis Ende 1939 wieder auf rund 1.300 erhöht hatte. Sie wurden unter schier unvorstellbaren Bedingungen in drei Baracken des „Kleinen Lagers“ zusammengepfercht, aus denen man sämtliche Möbel entfernt, deren Fenster man weiß gestrichen und deren Luftschächte man verschlossen hatte. Die Insassen wurden mit weiteren brutalen Schikanen und Quälereien drangsaliert, einige von ihnen gezielt ermordet.

Als ab Frühjahr 1944 wegen des großen Bedarfs an Arbeitskräften auch Jüdinnen und Juden wieder in der Rüstungsindustrie eingesetzt wurden, brachte die SS ab Juni 1944 Tausende jüdischer Gefangener aus Gettos und Lagern in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn nach KZ Sachsenhausen - allerdings überwiegend in dessen Außenlager. In der Mehrzahl handelte es sich um Frauen. Trotz hoher Todesraten stieg die Zahl jüdischer Häftlinge auch im Hauptlager und in den Außenlagern von etwa 2.600 Mitte 1944 auf rund 11.100 Anfang 1945.

1939 kamen mindestens 2.083 Polen nach Sachsenhausen, 1940 dann bereits mehr als 8.100. Dass die Zahl der polnischen Häftlinge im Lager bis Februar 1940 jedoch nur auf rund 600 und bis März 1941 lediglich auf etwa 3.770 anstieg, hatte seinen Grund in deren schnellen Weitertransport an andere Einsatzorte, aber auch in einer hohen Todesrate unter ihnen. Von 1940 bis 1942 bildeten Polen nach Deutschen die größte nationale Häftlingsgruppe in Sachsenhausen. 1943 bis 1945 wurden dort mindestens 26.400 Männer und Frauen aus Polen eingeliefert; die meisten von ihnen verhaftete Zwangsarbeiter. Als die SS im Sommer 1944 bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes insgesamt 60.000 bis 80.000 Menschen von dort in deutsche in Konzentrationslager deportierte, kamen rund 6.000 von ihnen nach Sachsenhausen. Die meisten waren Frauen und wurden in Außenlagern eingesetzt.

Insgesamt wurden von 1939 bis 1945 in Sachsenhausen über 6.000 Menschen aus der besetzten Tschechoslowakei interniert.

Ab etwa August 1941 setzten in Sachsenhausen Masseneinlieferungen sowjetischer Kriegsgefangener ein, von denen im September und Oktober Tausende erschossen wurden. Mitte Oktober ging die SS dann zunehmend dazu über, sie als „Arbeitsrussen“ im Lager zu behalten. Die Zahl der Einlieferung belief sich vom 31. August bis zum 31. Oktober auf rund 11.800. Während deren Zahl von Ende 1942 bis Ende 1944 bis auf etwa 700 zurückging, schnellte jene der sowjetischen Zwangsarbeiter bereits Anfang 1943 auf circa 7.100 an; ein Jahr später waren es bereits rund 8.800. Die Zahl aller verhafteten Zwangsarbeiter lag in Sachsenhausen Ende 1943 bei 10.100, womit sie mehr als ein Drittel der gesamten Insassen stellten.

Aus den west-, nord- und südosteuropäischen von der Wehrmacht besetzten Ländern kamen zunächst nur wenige Verhaftete ins KZ. 1944 kam es zum Höhepunkt der gesamteuropäischen Einlieferungen, weil die SS vor ihrem Rückzug aus den besetzten Gebieten noch zehntausende Menschen ins Reichsgebiet deportierte.

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