Häftlingsgruppen bis 1939
Zwischen 1936 und 1945 waren im KZ Sachsenhausen mehr als 200.000 Menschen inhaftiert, zunächst vor allem politische Gegner des NS-Regimes, dann in hohem Maße seitens des NS-Regimes aus rassenideologischen Gründen Ausgegrenzten sowie Homosexuelle, als „Berufsverbrecher“ bezeichnete Kriminelle und die große Gruppe jener, die als „Asoziale“ klassifiziert wurden. Waren Ende 1936 über 1.600 Häftlinge im KZ interniert gewesen, stieg deren Zahl im Laufe des Jahres 1937 auf rund 2500. Zunächst handelte es sich dabei überwiegend um deutsche Staatsbürger. Nach Kriegsbeginn wurden dann immer mehr registriert, die aus von der Wehrmacht besetzten Gebieten stammten.
Insgesamt zählten Anfang 1937 mit etwas mehr als 1.000 rund zwei Drittel der in Sachsenhausen Internierten zur Kategorie der „Schutzhafthäftlinge“ aus den Arbeiterparteien und Gewerkschaften, die ab 1938 dann durch ein rotes Stoffdreieck auf dem Häftlingsanzug, den „Winkel“, kenntlich gemacht wurden. Die Zahl dieser politischen Häftlinge stieg bis April 1939 auf nahezu 1.800 zu und stieg mit Kriegsbeginn erneut stark an.
Bereits Ende 1936 waren mehr als zudem 500 Personen in Sachsenhausen in „Befristete Vorbeugehaft“ genommen worden, wobei die Abkürzung „BV“ im Lageralltag mit „Berufsverbrecher“ übersetzt wurde. Bis Anfang April 1937 verdoppelte sich deren Zahl, nachdem im Reichsgebiet insgesamt etwa 2.000 Menschen nach vorbereiteten Listen verhaftet worden waren.
Mit dem Begriff der „Staatsschädlinge“ rückte Heinrich Himmler ab etwa 1937 stärker die neuen Häftlingsgruppen der „Asozialen“ und „Kriminellen“ als künftig Verfolgter hin, womit Sachsenhausen auch in dieser Hinsicht als erstes der großen neuen Lager zu einem wichtigen Instrument der NS-Bevölkerungs- und Rassenpolitik wurde. Deren Inhaftierung diente laut NS-Jargon der „Reinigung“ des Volkskörpers, hing aber eng damit zusammen, angesichts der großen Engpässe auf dem Arbeitsmarkt Druck auf potenzielle Arbeitskräfte auszuüben.
Insbesondere durch die Aktion „Arbeitsscheu Reich“, in deren Verlauf im Juni 1938 mehr als 6.000 Menschen in KZ Sachsenhausen interniert wurden, veränderte sich die dortige Zusammensetzung der Häftlinge grundlegend. Deren Zahl explodierte förmlich von etwa 2500 zum Jahresbeginn auf über 9.200 Ende Juni, von denen rund 6.200 den braunen (später: schwarzen) Winkel der als „Asoziale“ Diffamierten, trugen, die oft kein festes Arbeitsverhältnis nachweisen konnten. Im Rahmen dieser Masseneinlieferungen kamen zudem 248 Sinti und Roma nach Sachsenhausen.
Mitte 1937 befanden sich 44 Zeugen Jehovas im KZ, deren Zahl bis Jahresende bereits auf 135 gestiegen war und sich Mitte 1939 dann auf rund 360 belief. Seit etwa 1938 trugen sie einen violetten Winkel.
Im Mai 1937 wurden auch die ersten Homosexuellen unter den Sachsenhausener Schutzhäftlingen aufgeführt. Nach 24 zum Jahresende waren hier zum Jahresende 1939 dann 58 dieser mit einem rosa Winkel kenntlich gemachten Männer interniert. Seit Mitte des Jahres nicht mehr auf verschiedene Baracken verteilt, sondern in einem Block „isoliert“.