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Gedenken

Im Januar 1948 übergaben die US-Behörden das ehemalige Häftlingslager an die bayerische Regierung, während der gesamte Bereich des SS-Lagers sowie das Eingangsgebäude und weitere Gebäude weitere 25 Jahre unter US-Militärverwaltung blieb.[1] Die erste Nutzung durch die bayerischen Behörden war zeittypisch: In dem später als „Wohnsiedlung Dachau-Ost“ bezeichneten Barackenlager wurden Flüchtlinge und Vertriebene untergebracht.

Auch sonst setzte man viel daran, die jüngere Geschichte des Ortes aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Zwar hatte man dazu durchgerungen, den kleinen, von einer Mauer umgebenen Bereichs der Krematorien als Gedenkstätte einzurichten und öffentlich zugänglich zu machen, ansonsten aber erinnerte nichts mehr an das KZ, an dem es im Umfeld von Dachau in den ersten Nachkriegsjahren ebenso kein öffentliches Interesse gab wie am Schicksal der Opfer. Typisch war dagegen wohl die Forderung des Dachauer Landrates aus dem Jahr 1955, das Krematorium abzureißen, um mit der „Diffamierung des Dachauer Landes“ endlich Schluss zu machen - nicht der einzige Versuch, die baulichen Überreste des KZ verschwinden zu lassen.

So konnte etwa der bereits begonnene Abriss der Lager-Wachtürme nur durch die Proteste französischer KZ-Überlebender verhindert werden. Als die Bundesregierung dann aber im September 1955 ein Zusatzabkommen zu den Pariser Verträgen unterzeichnete, war mit der darin fixierten Verpflichtung, Grabstätten von Opfern des NS-Regimes zu erhalten und zu pflegen, zumindest der Fortbestand des Krematorium-Bereichs gesichert.

Seit 1959 engagierten sich NS-Verfolgte an der Seite des internationalen Häftlingskomitees für die Errichtung einer Gedenkstätte. Nachdem 1960 von Überlebenden eine kleine Dokumentarausstellung in den Räumen des großen Krematoriums eingerichtet worden war, unterzeichneten die bayerische Staatsregierung und das Comité International de Dachau 1962 eine Vereinbarung zur Schaffung einer Gedenkstätte, die am 9. Mai 1965 mit einer neuen Ausstellung feierlich eröffnet werden. 1968 wurde als vorläufiger Abschluss auf dem ehemaligen Appellplatz ein Mahnmal enthüllt.

Die Gedenkstätte zählte danach jedes Jahr etwa 300.000 Besucher, von denen rund 75 Prozent aus dem Ausland kamen, während das Interesse der deutschen Öffentlichkeit gering war.[2] In den Jahren nach 1975 veränderte sich die Situation grundlegend und die Besucherzahlen verdreifachten sich auf 900.000, wobei zugleich auch die Zahl der deutschen Schulklassen und Jugendgruppen überproportional stark zunahm. Die KZ-Gedenkstätte wurde mehr und mehr zum Ort der Begegnung zwischen den Generationen und der Aufklärung über das Schicksal der Häftlinge aus erster Hand.

Auch die Gedenkveranstaltungen anlässlich des 50. Jahrestags der Befreiung des KZ Dachau fanden im Frühjahr 1995 ein breites öffentliches Echo. Der bayerische Kultusminister beauftragte daraufhin einen wissenschaftlichen Beirat mit der Erarbeitung einer neuen Konzeption für die zukünftige Arbeit der Gedenkstätte. Im Frühjahr 2003 konnte der letzte Teil einer großen neuen Dauerausstellung eröffnet werden. Zum 60. Jahrestag der Befreiung wurde im Mai 2005 schließlich wurde der Besuchereingang wieder an jene originale Stelle verlegt, an der die Häftlinge einst das Lager betraten.

Fußnoten

[1] Vgl. zum Folgenden Distel, Konzentrationslager, S. 278ff.

[2] Hier nur als kleine Anmerkung: Der Autor selbst besuchte im Rahmen einer Klassenfahrt nach München 1973 einen Tag lang die Dachauer Gedenkstätte. Dieser Besuch hinterließ einen derartigen Eindruck, dass mit diesem Tag der Entschluss zum Geschichtsstudium feststand.

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