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Dem Ende entgegen

Als das NS-Regime im Laufe des Jahres 1942 dazu überging, die gesamte deutsche Wirtschaft, die bisher auf einen „Blitzkrieg“ ausgerichtet war, auf eine längere Kriegsdauer umzustellen, hatte das auch weitreichende Auswirkungen auf die Konzentrationslager, deren Häftlingen verstärkt in der Rüstungsproduktion eingesetzte werden sollten, um die dort eskalierenden Personalprobleme zu mindern. Das betraf auch Dachau, das sich ohnehin in einer Art Umbruch befand. Am 1. September 1942 war nämlich Lagerkommandant Alexander Piorkowski von Martin Weiß abgelöst, unter dessen Leitung im Lager radikale Veränderung durchgeführt wurden. Weiß verbot das Schlagen, die grausamen Schikanen, das Pfahlbinden; auch die Strafkompanien wurden aufgelöst. Er schaffte den mittäglichen Appell ab und verkürzte die kräfteraubenden Morgen- und Abendappelle. Kurz nach seiner Ankunft wurden auch Lebensmittelsendungen nach Dachau erlaubt. Das alles war für die Häftlinge eine unerwartete und überraschend erfreuliche Wendung, aber keineswegs das Verdienst des neuen Lagerkommandanten. Der führte lediglich Befehle aus, die auf rein ökonomischem Kalkül basierten.

Die Lebensbedingungen in Dachau waren und blieben aber auch unter diesen Bedingungen weiterhin völlig unzumutbar, wobei sich die Verhältnisse durch die zunehmende Enge permanent verschlechterten. Spätestens seit Herbst 1944 war das Lager hoffnungslos überfüllt. In den für 50 Menschen geplanten und eingerichteten Unterkünften drängten sich 300, manchmal sogar 500 Häftlinge. Die hygienischen Verhältnisse waren schlicht katastrophal, die Essensrationen reichten nicht mehr zum Leben.

Im November brachten große Häftlingstransporte aus Ungarn Flecktyphus nach Dachau, was zu einem rapiden Anstieg der Sterblichkeit führte. Hatte man im Oktober 1944 „nur“ 403 Tote gezählt, stieg diese Zahl im Folgemonat bereits auf 997 an und erreichte im Dezember einen Wert von 1.915. Die zur Bekämpfung der Krankheit ergriffenen Maßnahmen blieben völlig unzulänglich, was schließlich dazu führte, dass von Dezember 1944 bis zur Befreiung des KZ Dachau insgesamt weitere 14.511 Menschen starben.

Das Krematorium war entsprechend dieser Entwicklung völlig überlastet. Weil zugleich aber aus den evakuierten Konzentrationslagern im Osten ständig neue Transporte nach Dachau kamen, war das Lager hoffnungslos überfüllt und ein auch nur ansatzweise planvolles Agieren kaum mehr möglich.

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