Organisation
Die anfängliche Organisationsstruktur des Lagers orientierte sich am militärischen Vokabular und ergab sich aus der Unterbringung der Häftlinge in zehn Baracken, von denen jede fünf Räume besaß. Jeder Raum zählte bei voller Belegung 54 Häftlinge, die eine „Korporalschaft“ - mit einem „Korporal“ an der Spitze - bildeten. Die Belegschaft einer ganzen Baracke galt als „Kompanie“ und stand unter der Leitung eines „Feldwebels“ aus den Reihen der Häftlinge und eines „Unteroffiziers“. Die siebte dieser „Kompanien“ war die Strafkompanie, die hauptsächlich Juden und politische Funktionäre („Bonzen“) umfasste und die in der Kiesgrube und im Straßenbaukommando arbeiten musste.
Die Baracken des Lagers waren eingeschossige, aus Stein gemauerte und mit Dachpappe gedeckte Bauten. Ihr Fußboden bestand aus Beton, und ihre Einrichtung bestand aus dreigeschossigen Stockbetten sowie langen Tischen und Bänken. Nur das Bett selbst bot einen gewissen privaten Raum. Die Bracken wiederum waren - seit 1936 - ein Teil des jeweiligen „Blocks“ und ihrerseits in „Stuben“ unterteilt, an deren Spitze jeweils „Block-„ und „Stubenälteste“ standen. Die SS-Kompanieführer wurden nunmehr als „SS-Blockführe“ bezeichnet.
Das Krankenrevier, das in den ersten Kriegsjahren aus sechs Baracken bestand, wurde Besuchern zur Täuschung nur in seinem vorderen, zwei Baracken umfassenden Teil vorgeführt. Während diese, die als Fassade dienten, relativ modern eingerichtet waren wurden im hinteren Teil des Reviers auch kriminelle medizinische Experimente durchgeführt.
Seit dem 1. Oktober 1933 gab es im KZ Dachau eine „Disziplinar-und Strafordnung“. Am gleichen Tag wurde die „Dienstvorschriften für die Begleitposten und die Gefangenenbewachung“ erlassen. Beide Vorschriften wurden später in allen deutschen Konzentrationslagern eingeführt und galten im Wesentlichen bis zum Ende des Krieges. Viele der in der „Dachauer Schule“ auf ihre spätere Arbeit vorbereiteten SS-Leute übernahmen im Laufe der Zeit leitende Funktionen in anderen Konzentrationslagern.
An der Höhe der Häftlingsnummern lässt sich das Anwachsen der Lagerstärke ablesen: Im März 1933 wurde die Nummer 170 erreicht, im April 1.137 und im Mai bereits 2.033. Abzüglich zwischenzeitlicher Entlassungen waren im Juni 1933, als die Häftlingsnummer 2.375 vergeben wurde, real 1.953 Menschen inhaftiert. Zum Jahresende 1933 wurden bei einer Einlieferung von 4.821 Personen 2.425 Häftlinge gezählt. so dass etwa die Hälfte im Laufe des ersten Jahres wieder entlassen worden war. Bis zum Jahr 1938 bewegte sich die Zahl der Häftlinge stets dann regelmäßig zwischen 2.000 und 2.500. Im September 1937 legte Himmler die Einzugsgebiete der einzelnen Lager fest. Dachau fungierte seit diesem Zeitpunkt als zentraler Haftort für Süddeutschland, dessen Kapazität nach Abschluss der Anfang 1937 aufgenommenen Bauarbeiten schließlich 6.240 Personen betrug.