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Organisation und Belegung

Das Buchenwalder Torgebäude diente nicht nur als Eingang zum Lager, sondern symbolisierte zugleich auch die Grenzziehung zwischen der „Volksgemeinschaft“ mit der SS als deren Elite auf der einen und den sogenannten „Gemeinschaftsfremden“ auf der anderen Seite. Der von der SS erzwungene Gang durch das Tor als einzigem erlaubten Zugang zum Lager bedeutete für die als „gemeinschaftsfremd“ Internierten immer auch den Eintritt in ein Dasein, das von Qualen, Leid, Schmerz und Verbrechen geprägt war.

Der Appellplatz war der zentrale Platz des Lagers. Hier mussten sich Tag für Tag die bis zu 20.000 Häftlinge im Morgengrauen zum Zählappell zusammenfinden, eine Prozedur, die sich abends - nach zehn oder mehr Stunden Zwangsarbeit - wiederholte. Das geschah in genau vorgegebener Ordnung, was auch einen wesentlichen Zweck des Appells widerspiegelt: Antreten und Marschieren, blockweise Formieren, endlos Stehen oder stundenlang Singen. Das alles folgte einem System und gehörte zum vom NS-Regime und Lagerleitung verfolgten Programm menschlicher Entwürdigung.

Manche Appelle dauerten bis zu 72 Stunden und verfolgten keinerlei Sinn, außer jenen, die Häftlinge zu terrorisieren. Sich dem aufgezwungenen Drill zu verweigern, war tödlich. Unmittelbar vor ihren Augen und insbesondere ihren Ohren hatten die Häftlinge die Fensterluken des Bunkers, aus denen die Schreie der Gefolterten drangen. Auf dem Appellplatz wurden häufig halbnackte Menschen vor aller Augen ausgepeitscht, Mitgefangene am Galgen erhängt.[1]

Die ersten Häftlinge trafen bereits am 15. Juli 1937 in Buchenwald ein. Als im Zuge einer reichsweit durchgeführten Aktion zwischen dem 21. und 30. im April 1938 mehr als 10.000 zumeist beschäftigungslose Männer verhaftet und rund 4.400 von ihnen als sogenannte „Asoziale“ in Buchenwald interniert wurden, erhöhte sich die Zahl der dortigen Häftlinge deutlich. Sie wurden dort zunächst als „Arbeitszwangshäftlinge Reich“ (AZR), kurze Zeit später als „Arbeitsscheue Reich“ (ASR) bezeichnet. Bei einer weiteren Aktion befanden im Juni des Jahres wurden auf ausdrücklichen Wunsch Hitlers erstmals auch 2.300 Juden unter den Verhafteten, die aus sehr unterschiedlichen Gründen vorbestraft waren.

Im Juni 1938 fand in Buchenwald auch die erste öffentliche Hinrichtung eines Häftlings durch den Strang statt. Im gleichen Monat begann man dort, zum Zeitvertreib für die Angehörigen der SS einen KZ-eigenen Zoo einzurichten.

Schon nach der Einlieferung der Gefangenen der „Aktion Arbeitsscheu Reich“ hatte Buchenwald, das sich zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Bauphase befand, bereits die vorgesehene Belegung von etwa 8.000 Häftlingen erreicht. Die Ende September 1938 in Angriff genommene Einrichtung einer zusätzliche provisorischen Sonderzone war jedoch ein deutlicher Beleg dafür, dass die SS mit weiteren Gefangenen rechnete, die in den zur Verfügung stehenden Baracken nicht mehr unterzubringen waren.

Fußnoten

[1] Diese und die weiteren einzelnen Bereiche des Lagers sind systematisch aufgelistet und ausführlich beschrieben unter https://www.buchenwald.de/115/ (9.9.2021).

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