Tagesablauf und Arbeit
Der Tag im Lager begann mit dem Wecken um 4.00 h morgens. Nach Verteilung eines Morgengetränks mussten die Insassen der Blocks spätestens um 5.00 Uhr in Zehnerreihen zum morgendlichen Zählappell angetreten sein. Damit Sollzahlen und tatsächliche Anzahl der Häftlinge übereinstimmten, wurden häufig jene, die in der Nacht gestorben waren, mit auf den Appellplatz getragen und mitgezählt, denn erst dann, wenn sich die Zahlen mit den Unterlagen der SS deckten, wurde der Appell mit dem Befehl „Arbeitskommandos formieren!“ beendet.
Auf Anordnung der SS betrug die tägliche Arbeitszeit an sechs Tagen jeweils 11 Stunden, die sich von 6 bis 17 Uhr erstreckten, wobei eine Verlängerung allein schon dadurch eintrat, dass die Wege zu den jeweiligen Arbeitsstellen und zurück ins Lager hierbei nicht berücksichtigt wurden.
Nach der Rückkehr der einzelnen Arbeitskommandos fand der „Abendappell“ statt, an dessen Ende die Essensrationen ausgegeben wurden. Anschließend begann um 21.00 Uhr die Nachtruhe, während der die Unterkünfte nicht mehr verlassen werden durften.
Neben den ohnehin schon quälend langen Zählappellen am Morgen und Abend setzte die SS dieses Instrument auch gezielt als kollektive Strafmaßnahme ein. So musste das gesamte Lager beispielsweise Ende Oktober 1940 rund acht Stunden bei Kälte und Schneeregen auf dem Appellplatz ausharren, weil ein Häftling fehlte. Erst nachdem man seine Leiche in einem Versteck gefunden hatte, wurde der Appell beendet. Laut Berichten von Überlebenden mussten allein nach dieser Aktion etwa 120 Häftlinge tot, ohnmächtig oder kollabiert vom Platz getragen werden. Hinzu gesellten sich angesichts einer solchen Behandlung stets die Gefahr von schweren Erkältungskrankheiten, die unter den Lebensbedingungen im Lager kaum auskuriert werden konnten.