Birkenau (Auschwitz II)
Im Oktober 1941 überstellte die Wehrmacht 10.000 sowjetische Kriegsgefangene in das Stammlager Auschwitz, die als Baukolonne im drei Kilometer entfernten Brzezinka (deutsch: Birkenau) - wie zuvor von Himmler angeordnet - ein großes, vorwiegend für die Unterbringung von Kriegsgefangenen gedachtes Lager errichten sollten, das vom Stammlager „Auschwitz I“ aus verwaltet wurde. Statt - wie ursprünglich vorgesehen - für 100.000 Insassen wurde die Kapazität von Auschwitz-Birkenau schon in der Planungsphase auf 200.000 Häftlinge aufgestockt und seine Zweckbestimmung ausgedehnt. Die Häftlinge sollten in rund 600 Baracken Platz finden. Damit wurde es auf einer Fläche von etwa fünf Quadratkilometern zum größten deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager der NS-Zeit.
In einem ersten Schritt wurde die Ortsbevölkerung umgesiedelt und das Dorf komplett abgerissen, um so Platz für die Baracken zu schaffen. Fünf Monate später konnte das Lager am 1. März 1942 seinen „Betrieb“ aufnehmen. Zu den ersten Insassen zählten jene 925 der 10.000 sowjetischen Zwangsarbeiter, die den Bau ausgeführt und die Strapazen überlebt hatten. „Auschwitz II“ war von einem Stacheldrahtzaun mit tödlicher elektrischer Spannung umgeben, in den im Abstand von 150 Metern 30 mit Suchscheinwerfern und Maschinengewehren bestückte hölzerne Wachtürme integriert waren, von denen aus das gesamte Lager von den SS-Wachmannschaften überblickt werden konnte.
Im Laufe der Zeit entstanden auf dem Gebiet von Birkenau mehrere Lagerbereiche, die im Lagerjargon folgendermaßen bezeichnet wurden:
- das Männerlager,
- das Quarantänelager,
- das Frauenlager (seit 16. August 1942),
- das Effektenlager zur Sammlung von Wertgegenständen, zynisch „Kanada“ genannt
- der Häftlingskrankenbau
Zusätzlich wurden ab 1943 noch drei größere Lagerabschnitte eingerichtet bzw. abgegrenzt, die für die Aufnahme besonderer Häftlingsgruppen vorgesehen waren, nämlich:
- das „Zigeunerlager“ (Frühjahr 1943 bis August 1944)
- das Theresienstädter Familienlager (seit Herbst 1943)
- das Lager „Mexiko“ (ab Mai 1944 als Lager für ungarische Juden).
Im Laufe der Zeit wurden auf dem Lagergelände sechs Gaskammern und vier Krematorien errichtet.