Elisenstraße 1: Das EL-DE-Haus
Das EL-DE-Haus am Appellhofplatz 23–25 war von 1935 bis 1945 Sitz der Kölner Gestapo. Sein Name wurde zum Inbegriff der NS-Schreckensherrschaft in Köln, aber auch für den Umgang und die spätere Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte der Stadt nach 1945.[1]
Bauphase
Das EL-DE-Haus (gesprochen: L-D-Haus) verdankt seinen Namen den Initialen seines Bauherrn Leopold Dahmen. Der katholische Goldwaren- und Uhrengroßhändler wohnte mit seiner Familie am Appellhofplatz 21 und hatte dort auch sein Geschäft. Zum Neubau des angrenzenden Hauses ließ er auf dem Eckgrundstück zur Elisenstraße zwei Wohnhäuser abreißen und in den Jahren 1934/35 ein größeres Wohn- und Geschäftsgebäude errichten. Nach den Plänen des Architekten Hans Erberich entstand ein viergeschossiger Eckbau.
Das Gebäude wurde in einer strengen neoklassizistischen Bauweise errichtet und mit einer Tuffsteinfassade sowie einer abgerundeten Hausecke versehen. Der Baustil wurde vom NS-Blatt „Westdeutscher Beobachter“ als zeitgemäß gelobt. Die Eingangstür versah man mit den Initialen des Hausbesitzers und gab damit dem Haus seinen Namen. Auch das gut erhaltene Wandrelief an der Hausecke verweist auf den Bauherrn. Es sind darauf zwei Wappen zu erkennen, links das Stadtwappen und rechts ein Wappen mit dem Schriftzug „EL DE“ und darunter zwei Pendel einer Standuhr, in deren kreisförmigen unteren Teilen ein L und ein D für Leopold Dahmen eingehauen wurde.
In den beiden Obergeschossen und im voll als Geschoss ausgebildeten ehemaligen Attikabereich, dem Dachgeschoss hinter dem Kranzgesims, waren ursprünglich zwölf Dreizimmerwohnungen und im Erdgeschoss Geschäftsräume geplant. In den als Schlafzimmer vorgesehenen Räumen wurden Wandsafes für Schmuck und andere Wertsachen eingebaut. Das Haus verfügte über eine eigene Brunnenanlage. Garagen waren ebenso vorgesehen wie ein Luftschutzraum für rund 60 Personen.
Nutzung durch die Gestapo
Im Sommer 1935 wurde das Haus nach einem Baustillstand noch im Rohbau von der Gestapo in Beschlag genommen. Bereits bestehende Mietverträge mussten aufgelöst werden; der neue Mieter war fortan das Deutsche Reich. Für die Gestapo besaß das repräsentative Gebäude mitten im Herzen der Stadt eine ausgezeichnete Lage, befand es sich doch in unmittelbarer Nähe des Polizeipräsidiums in der Krebsgasse, des Gerichtsgebäudes und des Zentralgefängnisses Klingelpütz.
Die Gestapo ließ das Gebäude für ihre Zwecke umbauen: In den vorgesehenen Wohnräumen wurden Büros eingerichtet und in dem oberen von zwei Kellergeschossen das Hausgefängnis mit zehn Zellen geschaffen. Am 1. Dezember 1935 nahm hier die Gestapostelle Köln ihren Betrieb auf und beendete ihn erst am 2. März 1945, also wenige Tage vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in der Stadt am 6. März 1945. Es mutet wie eine besondere Ironie der Geschichte an, dass ausgerechnet dieses Haus den Krieg überdauert hat, während die meisten Gebäude in der Umgebung völlig zerstört wurden.
Als Sitz der Gestapo war das EL-DE-Haus auch der Ort, von dem aus Diskriminierung, Verfolgung und schließlich die Ermordung der jüdischen Bevölkerung Kölns und des Umlandes organisiert und in die Tat umgesetzt wurde. Sie setzte die antisemitischen Anordnungen und Maßnahmen in die Tat um. So war sie auch maßgeblich in die Durchführung des Pogroms und den anschließenden Verhaftungen im November 1938 eingebunden, ordnete im Mai 1941 die Gettoisierung der jüdischen Bevölkerung in sogenannten „Judenhäusern“ an und zeichnete schließlich auch dür die Organisation und Durchführung der Deportationen verantwortlich. Hunderte jüdische Frauen und Männer wurden im EL-DE-Haus verhört, zeitweise inhaftiert und misshandelt.
Bauliche Änderungen und Nutzung nach 1945
Baugeschichtlich erhielt das Haus erst nach dem Krieg durch umfangreiche Anbauten sein heutiges wuchtiges Aussehen. In den Jahren 1947 bis 1949 entstanden anstelle des zerstörten Wohnhauses der Familie Dahmen und eines angrenzenden Hauses in der Elisenstraße Anbauten, die sich dem erhaltenen Gestapohaus vollständig anglichen: Der Tuffstein stammte aus dem gleichen Steinbruch, die Stockwerkaufteilung, Fenstermaße und Gesimse wurden genau angepasst. Die Anzahl der Fensterachsen verdoppelte sich von sechs auf zwölf. Den zusätzlich gestalteten Eingang versah man mit den beiden schmiedeeisernen Leuchtern vom Eingang Elisenstraße, um auf dem Appellhofplatz einen symmetrischen und repräsentativen Bau zu schaffen. In der Elisenstraße wurde das Haus durch den Anbau von zwölf auf sechzehn Fensterachsen erweitert. Das gesamte Gebäude wurde oberhalb der Attika um ein Geschoss aufgestockt. Erst durch die Anbauten nach 1945 entsprach das EL-DE-Haus in seinen Dimensionen dem Bild der gefürchteten, alles beherrschenden Gestapo.
Der unbekümmerte Umgang mit der Geschichte des Hauses und der NS-Vergangenheit nach dem Krieg insgesamt zeigt sich auch an anderer Stelle: Das Haus wurde unmittelbar nach Kriegsende wieder von Mietern genutzt, vor allem von der Stadt Köln: Besatzungsamt, Preisbehörde, Amt für Verteidigungslasten, Standesamt, Rentenstelle und Rechts- und Versicherungsamt bezogen ihre Büros. Hier mussten also auch Menschen heiraten oder ihren Rentenantrag einreichen, die in den Räumen zu Zeiten der Gestapo verhört und gefoltert worden waren.
Das seit Anfang der 1980er Jahre unter Denkmalschutz stehende Haus befindet sich heute nach wie vor im Besitz der Familie Dahmen. Größere bauliche Veränderungen waren erforderlich für die 1981 eingeweihte und 2009 erweiterte Gedenkstätte Gestapogefängnis und die zwischen 1993 und 1997 erfolgten Umbauten für die Dauerausstellung »Köln im Nationalsozialismus« sowie für die Herrichtung von Bibliothek, Gruppenraum und Büros für das NS-Dokumentationszentrum. Durch die Übernahme der Räumlichkeiten im Keller- und im Erdgeschoss des Gebäudes Appellhofplatz 21 konnte nach Umbauten der Sonderausstellungsraum verlagert und an dessen bisheriger Stelle ein pädagogisches Zentrum geschaffen werden. In Rahmen dieses Ausbaus wurde vor allem der Innenhof als ehemaliger Ort der Hinrichtungen in die Gedenkstätte einbezogen. Seit 2018 ist das NS-DOK alleiniger Nutzer des ehemaligen Kölner Gestapo-Sitzes.
Fußnoten
[1] Darstellung nach https://museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/default.aspx?s=333 (7.9.2021).