Venloer Str. 1152: Jüdischer Friedhof
Der Jüdische Friedhof Köln-Bocklemünd wurde 1918 als Nachfolger des Jüdischen Friedhofes Köln-Deutz eröffnet und wird bis heute als Begräbnisstätte genutzt.[1] Heute befinden sich auf dem 44.818 m² großen Gelände des Bocklemünder Friedhofs rund 6.500 Gräber.
Nachdem die Synagogengemeinde das das Gelände am 21. Mai 1917 von der Stadt Köln erworben hatte, wurde der Gesamtplan des Friedhofs, der am 8. Dezember 1918 eingeweiht wurde, von Karl Bing entworfen. Auf das geplante, an den Westfriedhof angelehnte Eingangsgebäude musste zunächst verzichtet werden. Stattdessen wurde zunächst eine - vermutlich ebenfalls von Bing entworfene - behelfsmäßige Leichenhalle aus Holz errichtet
Friedhofsgebäude und Trauerhalle mit deutlich neoklassizistischen Tendenzen entwarf dann zwischen 1927 bis 1929 der bedeutende Kölner Architekt Robert Stern, der auch für die Ehrenfelder Synagoge in der Körnerstraße und den berühmten Pavillon der „Jüdischen Sonderschau“ auf der „Pressa“ 1928 verantwortlich zeichnete. Trauerhalle, Friedhofsverwaltung und Leichenhaus wurden schließlich 1930 eingeweiht.
Das Denkmal für die jüdischen Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs, ebenfalls von Robert Stern gestaltet, wurde am 8. Juli 1934 eingeweiht. Es war von der Ortsgruppe Köln des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten gestiftet und mit Unterstützung der Synagogen-Gemeinde Köln errichtet worden.
Am Ende der Mittelallee des Friedhofs steht das große, fünf Meter aufragende Ehrenmal für die Opfer der Shoah aus Köln. Die dort angebrachte Bronzetafel erinnert an die „über 11.000 Schwestern und Brüder unserer Gemeinde, die als Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns für das Judentum in den Jahren 1933–1945 gefallen sind“. Das Denkmal wurde von dem Kölner Architekten Helmut Goldschmidt entworfen, dessen Vater Moritz erster Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde in der Nachkriegszeit war und die Initiative zur Errichtung des Mahnmals ergriffen hatte. Bezeichnend für den Zeitgeist - das Denkmal wurde am 6. Juni 1948 eingeweiht - war die Wortwahl. Die jüdischen Opfer des NS-Regimes waren demnach nicht ermordet worden, sondern „gefallen“. Eine weitere Tafel in der Mitte des Ehrenmals erinnert an den letzten Rabbiner der Synagogen-Gemeinde vor dem Holocaust: „Unserem letzten von 1908-1942 amtierenden Rabbiner Dr. Isidor Caro, der mit vielen Gemeindemitgliedern den Märtyrertod in Theresienstadt fand. In dankbarer Verehrung, Synagogen-Gemeinde Köln.“
Ebenfalls auf der Mittelallee stand wurde am 5. November 1978 ein von Franz Lipensky gestaltetes Denkmal aufgestellt, das an die Zerstörung der Kölner Synagogen erinnerte. Die 750 kg schwere Bronzeplastik beinhaltete als Elemente sechs Davidsterne für die sechs Millionen ermordeter Juden, eine Menora als Zeichen des Judentums, eine zerstörten Torahrolle und ein Mauerfragment als Symbole für die Zerstörung der Synagogen in der Reichspogromnacht. Der Standort markiert jene Stelle, an der nach dem Pogrom jene Ritualgegenstände heimlich begraben worden waren, die man noch aus den zerstörten Kölner Synagogen hatte bergen können. Erst 1978 wurden sie bei Bauarbeiten wiederentdeckt und anschließend ritusgemäß an Ort und Stelle in Särgen bestattet. In der Nacht vom 14. auf den 15. November 2010 wurde die Bronzeplastik – vermutlich wegen ihres Metallwerts – gestohlen. Franz Lipensky stellte nach seinen damaligen Plänen und gemeinsam mit dem Bildhauer Klemens Hechenrieder eine - nun aus Fiberglas hergestellte - Kopie des Denkmals her, die im Juni 2010 aufgestellt werden konnte.
Fußnoten
[1] Die Darstellung folgt https://www.sgk.de/gemeinde/friedhoefe/ und https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdischer_Friedhof_Bocklem%C3%BCnd (7..9.2021). Ausführlich hierzu Becker-Jákli, Jüdischer Friefhof.