Horst-Wessel-Platz 14: Gettohaus
Der knapp 2,8 Hektar große Platz in der südlichen Kölner Neustadt trug seit 1887 ursprünglich die Bezeichnung „Königsplatz“, bis er 1923 nach dem im Jahr zuvor in Berlin ermordeten jüdischen Politiker, Industriellen und Schriftsteller Walther Rathenau umbenannt wurde.[1]
Hier wohnten - wie im gesamten Viertel rund um die Synagoge Roonstraße - bis 1933 jüdische und nichtjüdische Bevölkerung weitgehend konfliktfrei und harmonisch zusammen. Nach der NS-Machtübernahme zeigte sich dann jedoch, wie wenig tragfähig viele dieser nachbarschaftlichen Beziehungen letztlich waren. Der Wandel äußerte sich auch im Namen, denn 1933 änderten die Kölner Nationalsozialisten den Namen in „Horst-Wessel-Platz“. Sie nannten ihn damit nach einem frühen Aktivisten von NSDAP und SA, der 1930 unter nie geklärten Umständen erschossen wurde und seither als einer der „Märtyrer“ des Nationalsozialismus galt.
Als ab Mai 1941 die Zusammenlegung der jüdischen Bevölkerung in sogenannten „Judenhäusern“ intensiviert wurde, wiesen die Behörden schwerpunktmäßig in der Kölner Neustadt mit ihren großräumigen Wohnungen in einigen dieser Gettohäuser vorwiegend ältere Menschen ein und nannten diese Unterkünfte dann zynisch „Jüdische Altenheime“. Solche existierten etwa in den Häusern Beethovenstraße 16, Lützowstraße 39, Utrechter Straße 6 und eben auch im Haus Horst-Wesel-Platz 14.
Im April 1945, unmittelbar nach der Befreiung Kölns, wurde der Platz wieder in „Rathenauplatz“ umbenannt. Ihm direkt gegenüber liegt bis heute die Synagoge Roonstraße.
Fußnoten
[1] Vgl. Becker-Jákli, jüdisches Köln, S. 207