Australien
Australien wurde erst kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs zum Ziel für deutsche Auswanderer.[1] Bis dahin hatte sich das Land durch sehr restriktive Einwanderungsbestimmungen ausgezeichnet, die Jüdinnen und Juden als „nicht assimilierbar“ betrachteten und entsprechend als „untaugliche“ und „unerwünschte“ Einwanderer abgelehnten. Entsprechend hoch waren die mittels Sprachtests, erforderlichem Gesundheitsattest, „sponsorship“ und Bürgschaft durch australische Bürger aufgebauten Hürden, wobei zudem jene bevorzugt aufgenommen wurden, die ein Landungsgeld von 500 Australischen Pfund nachweisen konnten Erst nach dem „Anschluss“ Österreichs und dem Novemberpogrom erklärte sich Australien Anfang Dezember 1938 bereit, diese Bedingungen zu lockern und über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt 15.000 jüdische Flüchtlinge aufzunehmen.
Zur vollen Ausschöpfung der jährlichen Quoten kam es jedoch nicht, denn während sich die Auswahl- und Genehmigungsverfahren in die Läge zogen, schlossen sich immer mehr der potenziell verfügbaren Reiserouten, was letztlich dazu führte, dass sich bis 1939 letztlich nur rund 7.000 Verfolgte nach Australien retten konnten.
Danach fungierte das Land ausschließlich als Zielort für Personen, die von den Briten als „feindliche Ausländer“ interniert worden waren und anschließend auf die andere Seite des Erdballs deportiert wurden. Immerhin gelang es auf diese Weise nahezu weiteren 2.000 Juden von England nach Australien zu kommen. Sie wurden im September 1940 nach einer katastrophalen Überfahrt auf der „Dunera“ in den Lagern Play und Tatura interniert. Damit belief sich die Gesamtzahl der nach Australien eingewanderten deutschsprachigen Jüdinnen und Juden auf rund 9.000, die somit einen erheblichen Anteil der 25.000 Köpfe zählenden jüdischen Bevölkerung ausmachten.
Sie gründeten in Australien eigene Hilfsorganisationen wie die Association of Jewish Refugees in Melbourne unter Leitung des Rabbiners Herman Max Sänger. Impulse im Musik- und Theaterbereich gingen eher von österreichischen Künstlern aus, die in Sydney das „Kleine Wiener Theater“ ins Leben riefen.
Fußnoten
[1] Das Folgende nach Heimat und Exil, S. 119.