Menü

Das Personal

Das Vernichtungslager Belzec war nicht von Beginn an eine industrialisierte „Todesfabrik“ mit beliebig austauschbaren Akteuren. Der Großteil der hier aktiven Männer hatte vor ihrem Einsatz in Belzec bereits Erfahrungen mit der Ermordung Tausender Menschen im Rahmen der „Aktion T4“ gesammelt, die sie nun sowohl beim Aufbau des Lagers als auch bei der Weiterentwicklung der Tötungsmethoden einfließen ließen.

Zu welcher unmenschlichen Perfektion sie den Tötungsbetrieb in Belzec entwickelten, geht allein schon aus dem geringen Personalbestand hervor. In den ersten Monaten bestand die deutsche Lagermannschaft aus 14 SS-Männern, die auch auf dem Höhepunkt der Morde in den Sommermonaten 1942 nicht über die Zahl von 20 sich gleichzeitig im Lager Aufhaltender hinausging. Insgesamt sind für die gesamte Dauer seiner Existenz lediglich 37 Personen bekannt, die der deutschen SS-Lagermannschaft in Belzec angehörten.

Wichtiger und unersetzlicher Bestandteil des Lagerpersonals waren darüber hinaus die Männer aus dem SS-Ausbildungslager in Trawniki. Hierbei handelte es sich um ehemalige sowjetische Kriegsgefangene, die sich - bedingt freiwillig - zur Zusammenarbeit mit den Deutschen bereit erklärt hatten. Ohne die Unterstützung dieser „Trawniki-Männer“ hätte die kleine Gruppe der SS-Angehörigen kaum Hunderttausende Menschen in so kurzer Zeit ermorden können. Hatten während der Aufbauphase etwa 60 Trawniki-Männer in Belzec ihren Dienst getan, so stieg deren Anzahl während der zentralen Vernichtungsphase im Sommer und Herbst 1942 auf bis zu 120.

Von Dezember 1941 bis Juli 1942 war SS-Hauptsturmführer Christian Wirth Lagerkommandant in Belzec. Wirth, Jahrgang 1885 und gelernter Tischler, war seit 1913 im Polizeidienst in Stuttgart tätig gewesen und bereits ab 1939 maßgeblich an der „Aktion T4“ beteiligt. 1940 übernahm er die Position des „Inspekteurs“ aller „Euthanasie“-Einrichtungen, bis er Anfang August 1942 Wirth zum „Inspekteur“ der drei Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“ ernannt wurde.

Zur ersten Gruppe von SS-Männern, die im Herbst 1941 nach Belzec kamen, gehörten Josef Oberhäuser, Gottfried Schwarz, Lorenz Hackenholt, Johann Niemann und Friedrich Jirmann. Sie waren 1939 sämtlich aus dem KZ-System zum Einsatz in der „Aktion T4“ abkommandiert worden, um danach in den Vernichtungslagern zum Einsatz zu kommen. Das galt auch für weitere acht Männer, die zwischen Januar und April 1942 in Belzec eintrafen, nachdem sie zuvor in den Tötungsanstalten der „Aktion T4“ im Einsatz gewesen waren.

Baum wird geladen...