Briefwechsel
Als sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts das Interesse an der Alltagsgeschichte erheblich verstärkte, rückte auch die Kommunikation der „kleinen Leute“ verstärkt ins Blickfeld, wobei die Feldpost aus Kriegszeiten auf besonderes Interesse stieß, weil sie vielfältige Aussagen über das Leben und Stimmungslagen an Front und „Heimatfront“ beinhalten, die aus anderen Quellen nur schwer zu gewinnen sind.
Insgesamt stellen Privatbriefe und noch weitaus stärker geschlossene Korrespondenzen seitdem für die Geschichtswissenschaft eine wichtige subjektive Quelle dar, aus der sich – vergleichbar dem Tagebuch – mannigfaltige Erkenntnisse und neue Fragestellungen ableiten lassen.
Das gilt natürlich erst recht für die Selbstzeugnisse jener, die seitens des NS-Regimes verfolgt wurden. Sie mussten weitaus vorsichtiger und inhaltlich zurückhaltender agieren, als die seitens der Machthaber als Angehörige der "Volksgemeinschaft" definierten Menschen. Daher hat sich von ihrer Seite weitaus weniger Schriftgut erhalten, was in besonderem Maße für die Angehörigen der jüdischen Bevölkerung gilt. Für sie liegen - wenn überhaupt - in aller Regel leiglich die aus dem Reichsgebiet ins Ausland verschickten Briefe vor, während die Gegenstücke mit ihren Adressaten ab 1941 dann den Weg in die Vernichtung antraten.