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Jüdischer Turnverein ITV 02

Der Jüdische Turnverein ITV 02 wurde 1902 in Köln mit 52 Mitgliedern gegründet. Er sah sich auf „nationaljüdischem Boden“ stehend und trat folgerichtig bereits ein Jahr später der gerade geschaffenen „Jüdischen Turnerschaft“ - dem überregionalen Verband der nationaljüdischen Turnvereine - bei.

Diese Gründung stieß in der Kölner jüdischen Gemeinde auf erhebliches Misstrauen, denn aus deren deutsch-jüdischer Perspektive hatte der ITV eigentlich keine Existenzberechtigung. Juden, die Sport treiben wollten, so forderten die Gegner des ITV, sollten einem der bestehenden „deutschen“ Turnvereine beitreten, die in Köln damals offenbar keine antisemitischen Tendenzen zeigten.

Trotz allen Gegenwindes konnte sich der ITV schließlich jedoch etablieren, zumal während des Ersten Weltkriegs seine nationaljüdischen Züge hinter eine eindeutig patriotische Haltung zurücktraten. 1920 zählte der Verein rund 250 Mitglieder.

Als sich in diesen Jahren – vor allem unter dem Eindruck der Balfour-Erklärung – die Stimmung zumindest in der jüdischen Bevölkerung veränderte, zeitigte das auch Auswirkungen aus Vereinswenden und somit auf die Sportvereine. Aufgrund solch innerer Richtungskonflikte kam es 1922/23 schließlich zur Spaltung des ITV 02, wobei ihm die liberalen Juden, die der Tradition der alten nationaljüdischen Turnerschaft der Vorkriegszeit folgten und sich als deutsche Patrioten sahen, weiter treu blieben. Folgerichtig trat der ITV 02 dem überregionalen antizionistischen „Schild“, dem Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten bei. Der ITV gehörte übrigens auch als einziger jüdischer Sportverein dem Stadtsportbund Köln an.

Mit Beginn der 1930er-Jahre nahmen die zunächst strikt auf Distanz achtenden großen jüdischen Sportvereine Kölns Kontakte zueinander auf und veranstalteten 1932 ein gemeinsames Sportfest im Kölner Stadion. Die gesellschaftlich-politische Entwicklung hatte die vom bürgerlichen, deutsch-liberalen Judentum vertretene Abwehr des Zionismus eingeholt.

1933 sah sich der ITV zunächst nicht zur Auflösung genötigt. Er bestand – allerdings in engerer Verbindung zum Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und dessen Sportbund „Schild“ weiter. 1934 zählte der ITV immerhin 450 Mitglieder, was auch darauf zurückzuführen war, dass bedingt durch den Ausschluss von Jüdinnen und Juden aus den übrigen Vereinen beide jüdischen Sportorganisationen starken Zuwachs erhielten: der ITV weiterhin von assimilierter bürgerlicher Seite, der Hakoah - wie schon sein Vorgänger Bar Kochba - von ostjüdisch-zionistischer Seite. Die alte Teilung der jüdischen Bevölkerung in deutsch-west-jüdische und zionistisch-ostjüdische Gruppen war damit auch unter den Bedingungen der NS-Verfolgung immer noch an der jeweiligen Mitgliedschaft in einem der beiden Sportvereine ablesbar.

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