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Glockengasse 7: Synagoge Glockengasse

Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Glockengasse eine schmale, dicht bebaute Straße, an der Wohngebäude, Geschäftshäuser und das städtische Schauspielhaus lagen.[1] Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel nahe dem Eingang der Oper daran, dass sich in dieser Straße mit der ersten Synagoge Kölns in der Neuzeit von 1802 bis 1938 eines der wichtigsten Zentren des Kölner jüdischen Lebens befand.

Nachdem sich 1801 in Köln wieder eine jüdische Gemeinde gegründet hatte, mussten geeignete Räumlichkeiten für Gottesdienst und Verwaltung gefunden werden. Die Wahl fiel auf die leerstehenden Gebäude des kurz zuvor säkularisierten Klosters St. Clarissa in der Glockengasse. 1804 konnte das Grundstück mit erheblicher Unterstützung durch Salomon Oppenheim, dem wohlhabendsten Gemeindemitglied, erworben werden. Die jüdische Gemeinde ließ Schulzimmer und Wohnräume für Gemeindeangestellte einrichten und im Hof ein Bethaus mit Mikwe bauen. Diese erste kleine Synagoge war ein überaus bescheidener Bau mit Platz für etwa 120 Personen.

Es dauerte bis 1856, bis das baufällig gewordene Bethaus mit Hilfe des Bankiers Abraham von Oppenheim der Bau einer neuen, „würdigen“ Synagoge in Angriff genommen werden konnte. 1861 konnte der Neubau eingeweiht werden, den der zu jener Zeit renommierteste Kölner Architekt, der protestantische Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner, entworfen hatte. Er hatte sich für den damals populären „maurischen“, heute als neoislamisch bezeichneten Stil entschieden, der sich von der gotischen und romanischen Architektur der christlichen Kirchen absetzte und für Jahrzehnte als Baustil den deutschen Synagogenbau prägen sollte.

Da das Grundstück an der Glockengasse keinen frei stehenden Bau ermöglichte, musste die Synagoge in die Häuserzeile der engen Straße eingefügt werden. Auf quadratischem Grundriss entstand ein kompakter Würfel aus hellem Kalksandstein, der von horizontalen Bändern aus rotem Sandstein durchzogen war. Über diesem 360 Quadratmeter großen Kubus erhob sich ein mit vielen Fenstern durchbrochener Tambour, der eine kupferverkleidete Kuppel trug. Zinnen und vier schlanke Türmchen in Form von Minaretten sowie weitere Elemente setzten weitere orientalische Akzente.

Die Gestaltung des Innenraums mit Sitzplätzen für 230 Männer und 140 Frauen war von der Ausstattung der Alhambra in Granada beeinflusst und bot eine farbenfrohe Ornamentik in Blau, Rot und Gold. Kuppel und Gewölbe waren als sternenbesetztes Firmament gestaltet, Stuckarbeiten und arabeskenartige Malerei zogen sich über sämtliche Wandflächen, Pfeiler und Geländer, sodass sich eine prachtvolle und farbenfrohe Einheit ergab. Der aus weißem italienischem Marmor gefertigte Tora-Schrein an der Ostseite wurde von zwei minarettähnlichen Säulen eingerahmt, die damit Elemente der Außenarchitektur aufgriffen. Über dem Schrein befand sich ein großes Rosettenfenster mit aufwendigem Sternenmuster, durch das ein vielfarbiges Licht in den Raum fiel. Der Almemor, von dem aus die Tora gelesen wurde, stand unmittelbar unterhalb der Kuppel und damit im Zentrum des einfallenden Lichts. An drei Seiten des Innenraums liefen zweigeschossige Frauenemporen entlang. Sie wurden von zierlichen, mit Bögen verbundenen Säulen aus Gusseisen gestützt und durch ornamentreiche Balustraden vom Hauptraum abgeteilt. In diesem eindrucksvollen, innerhalb des Stadtbildes aber zugleich auch exotischen Gebäude kam das neue Selbstbewusstsein der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck.

Mehr als zwanzig Jahre lang blieb die Synagoge in der Glockengasse das einzige jüdische Gotteshaus der Stadt. Nach dem Bau der Synagogen in der St.-Apern-Straße und in der Roonstraße entwickelte sich die „alte“ Synagoge, die von den Rabbinern Dr. Ludwig Rosenthal und Dr. Lazar Dünner betreut wurde, dann zum Mittelpunkt des konservativen Kölner Judentums.

Im November 1938 - zwei Jahre nach der Feier des 75-jährigen Bestehens - wurde die Synagoge während des Pogroms in Brand gesetzt und zerstört. Kurz darauf mussten die verbliebenen Gebäudereste auf Anordnung des Kölner Regierungspräsidenten abgebrochen werden.

Nachdem das Erzbistum Köln 1939 mehrere Angebote zum Kauf des Grundstücks abgelehnt hatte, erwarb 1943 die Stadt Köln das Areal. Es blieb unbebaut und wurde nach dem Krieg in die Planung der neuen Nord-Süd-Fahrt einbezogen. Die Fundamente von Synagoge und Mikwe haben sich vermutlich unter dem Platz und der Straße erhalten.

Fußnoten

[1] Darstellung nach Becker-Jákli, jüdisches Köln, S. 86ff.

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