Menü

Bahnhof „Deutz-Tief“ als Deportationsort

Die Deportationen im engeren Sinne gingen also vom Bahnhof Deutz-Tief ab, der dem Messegelände unmittelbar gegenüber lag und fußläufig schnell zu erreichen war.[1]

Der Deutzer Bahnhof war bereits damals ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt, was auch in seiner speziellen Funktionsweise zum Ausdruck kommt. Als „Turmbahnhof“ wird er mit zwei Stockwerken – „Deutz-Hoch“ und „Deutz-Tief“ - betrieben, die zwei unterschiedliche Verkehrsverbindungen bedienen.

„Deutz-Tief“ - heute nach einer vollständigen Umgestaltung Ausgangspunkt der Schnellfahrtstrecke Köln-Rhein/Main und ICE-Bahnhof – war ab 1940 der Startpunkt zahlreicher Deportationen, wobei die heutige Gleisführung trotz aller baulichen Veränderung der damaligen Situation entspricht. Allerdings weiß wohl kaum einer der heutigen Reisenden, dass hier während des Krieges für Tausende von Menschen ihre Verschleppung in den Tod begann.

Die Organisation der Deportationstransporte verlief dabei stets nach einem festen Muster: Nachdem die in den Messehallen inhaftierten Menschen Stunden oder Tage gewartet hatten, wurde der Befehl zum Aufbruch gegeben. Polizei und SS sperrten den Weg von der Messehalle zum Bahnhof, den Auenweg sowie Teile des Bahnhofs selbst ab und brachten die Inhaftierten über den – heute noch existierenden - Treppenzugang zu den Gleisen Deutz-Tief. Eine Begleitung durch Angehörige und Freunde war verboten, lediglich einige von der jüdischen Gemeinde beauftragte Personen waren als Hilfe für die Deportierten zugelassen.

Zum Transport standen auf dem Gleis alte Personenzüge bereit, in deren Abteile acht, zehn oder mehr Menschen gedrängt wurden, bei späteren Deportationen wurden auch Güterwagen ohne Sitzbänke eingesetzt. In wenigen Minuten musste Einsteigen und Einladen des Gepäcks abgeschlossen sein, sodass in der Eile und aufgrund von Platzmangel oft nur Teile des Gepäcks mitgenommen werden konnten. So wurden vielen Deportierten auch noch die letzten Habseligkeiten genommen.

Fußnoten

[1] Vgl. zum Folgenden v.a. Becker-Jákli, jüdisches Köln, S. 299ff.

Baum wird geladen...