Deportation der jüdischen Bevölkerung
Bereits am 28. Oktober 1938 waren rund 600 jüdischer Kölnerinnen und Kölner mit polnischer Staatsangehörigkeit von Deutz aus nach Polen abgeschoben worden. Nachdem die voll besetzte Messehalle dann am 28. September 1941 einmal mehr als Schauplatz antisemitischer Ausfälle der Kölner NS-Elite gedient und Gauleiter Josef Grohe unter der Überschrift „Jude – Bolschewik – Plutokrat“ eine entsprechende Rede gehalten hatte, in der er unverhüllt weitgehende Maßnahmen zur Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung forderte, wurde sie nur einen Monat später zum Ort der beginnenden systematischen Verschleppung der jüdischen Bevölkerung aus Köln und dem Umland „in den Osten“. Am 21. Oktober 1941 mussten sich hier jene Jüdinnen und Juden versammeln, die dann einen Tag später mit dem ersten, 1.000 Insassen zählenden Transport den Bahnhof Deutz-Tief Richtung Litzmannstadt verließen. Ihm sollten noch fünf ähnlich große und zahlreiche kleinere Deportationen folgen. Im Herbst 1944 schließlich verschleppte man von hier aus auch jene Menschen, die bis dahin von den Deportationen verschont geblieben waren - die sogenannten „Mischlinge“ und die in einer „Mischehe“ lebenden Personen. Noch im Frühjahr 1945, kurz vor Kriegsende, wurden von Deutz aus Menschen deportiert.
In Vorbereitung der Deportationen wurde die jüdische Gemeinde gezwungen, Namenslisten für die jeweiligen Transporte zusammenzustellen. Wenige Tage oder auch nur einige Stunden vor der Deportation erhielten die Betroffenen die Aufforderung, sich zu einer bestimmten Uhrzeit, meist am frühen Morgen, auf dem Messegelände einzufinden. Wer dieser Aufforderung nicht freiwillig nachkam, wurde von Gestapo und Polizei abgeholt und zwangsweise zum Messegelände gebracht.
Vor den Messehallen mussten sich die Aufgerufenen sammeln und an den Pfeilern, auf die die Buchstaben in Reihenfolge des Alphabets aufgemalt waren, entsprechend ihrer Nachnamen aufstellen. Nach der Kontrolle des Gepäcks und einer Leibesvisitation brachte man sie in die Messehalle. Ein Entkommen war nun nicht mehr möglich, denn das Gelände war abgesperrt und wurde streng bewacht. Hierzu wurde nahezu das gesamte Personal der Kölner Gestapo herangezogen; darüber hinaus halfen Angehörige der SS, der Polizei, des Arbeitsamtes und der Oberfinanzdirektion.
„Mit sechs Koffern, drei Rucksäcken, Hand- und Aktentaschen“ sei seine Familie zum festgesetzten Zeitpunkt auf dem Messegelände eingetroffen, berichtete Hans Baermann, der die am 7. Dezember 1941 erfolgte Deportation nach Riga überlebte, später. „Unser Gepäck wurde auf Wertgegenstände untersucht, Schmuck, Uhren, Trauringe sowie sämtliche Legitimationspapiere wurden uns abgenommen. Nach einer neuen Leibesvisitation wurden jeder Person lediglich zehn Mark gelassen. Man trieb uns dann in den großen Saal der Messehalle, um die ein Stacheldraht gezogen war, und ließ uns vierundzwanzig Stunden in nassen Hobelspänen liegen.“
Die Eingeschlossenen, unter ihnen stets viele Kinder und Kleinkinder, mussten so bis zu zwei Tage in drangvoller Enge und unter katastrophalen hygienischen Bedingungen in den Messehallen ausharren. Bereits während des Wartens starben Menschen, andere nahmen sich das Leben. Kurz vor Abfahrt des Zuges führte man die Betroffenen dann zum Bahnhof Deutz-Tief; von wo die Züge in das besetzte Osteuropa abfuhren.