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Der Gedenkort

Nachdem das Müngersdorfer Barackenlager bereits 1947 abgerissen worden war, wurden der Ort und seine Geschichte für lange Zeit aus dem öffentlichen Bewusstsein ausgeblendet.[1] Als die Stadt Köln dann 1962 auch die baulichen Überreste des Fort V beseitigen und die Schuttmassen auf dem umliegenden Gelände verteilen ließ, gab es überhaupt keinen sichtbaren Anknüpfungspunkt mehr, der an die Geschehnisse der Jahren 1941 bis 1945 hätte erinnern können.

Kurt Schlechtriemen urteilt als „alter“ Müngersdorfer so klar wie kritisch: Es sei während der NS-Zeit im Ort eben nicht anders gewesen als im übrigen Stadtgebiet. „Die Mehrheit schaute weg und ignorierte das sich vor aller Augen vollziehende Unrecht.“ Nur so sei erklärbar, dass nur ganz wenige Einheimische das Lager und die dort Internierten gesehen haben wollen. Er ist sich sicher, dass es sich dabei „um einen Vorgang des Verdrängens“ gehandelt habe, der zur Folge habe, dass „kaum jemand an die schreckliche Zeit erinnert werden“ möchte.

Als typisches Beispiel zitiert er den Lokalhistoriker Hans Clemens, der in seinem 1968 erschienen Buch „Müngersdorf im Spiegel der Geschichte“ Fort V und das Barackenlager zwar erwähnt habe, die Verantwortung für das Geschehene nicht in deren Umfeld, sondern ganz allein und weit entfernt Adolf Hitler angelastet habe. Außerdem habe er, allerdings ohne einen Bezug zum Barackenlager herzustellen, die nach 1945 auf dessen Gelände errichtete Kleingartenanlage „Waldfriede“ für deren „ruhige und friedvolle Lage“ gelobt.

Es sollte bis 1981 dauern, bis auf Beschluss des Kölner Stadtrats ein Findling mit einer Gedenktafel aufgestellt wurde. Deren Inschrift lautete: „Zur Erinnerung an die Toten und als Mahnmal für die Lebenden Im ehemaligen Fort V und dem angrenzenden Bereich befand sich während des 2. Weltkrieges das sogenannte Judenlager Müngersdorf. Hier wurden die aus ihren Häusern und Wohnungen vertriebenen Juden konzentriert und in die NS-Vernichtungslager abtransportiert.“ Auch diese lange Untätigkeit belegt Schlechtriemen mit deutlicher Kritik: „Nicht zuletzt dem Bürgerverein hätte es angestanden, die Opfer des Lagers zu würdigen“, und zwar sehr viel früher als es dann 1981 geschehen sei.

Danach sei dann in Müngersdorf aber weitaus offener mit dem Thema umgegangen worden. Vor allem habe sich die Bereitschaft, Verantwortung für geschehenes Unrecht zu übernehmen, deutlich vergrößert. Besonders erwähnenswert sei in diesem Zusammenhang, dass sich nun auch die ortsansässigen Schulen des Themas immer wieder annehmen und es im Unterricht und im Rahmen von Projekten bearbeiten würden. Damit sei endlich die richtige Richtung vorgegeben. „Es gilt vor allem, die jungen Menschen als der nachwachsenden Generation aufzuklären und ihr Mitgefühl zu wecken. Sie müssen lernen, sich emotional in andere zu versetzen und argumentativ sowie durch ihr Beispiel Vorurteilen entgegenzutreten, schon dann, wenn einer, weil er fremd ist, abgewertet wird.“

Um diesen Anspruch endgültig in die Tat umzusetzen war Kurt Schlechtriemen auch eine der treibenden Kräfte im Bürgerverein Köln-Müngersdorf, der eine grundsätzliche Neugestaltung der historischen Stätte anregte. Ein nach einem Entwurf von Simon Ungers gestaltetes Kunstwerk markiert nunmehr den im März 2020 eröffneten Gedenkort „Deportationslager Müngersdorf“. Über die ehemaligen Lagerbereiche wird nun ausführlich informiert und für Besucher nachvollziehbar gemacht, was sich damals sozusagen vor ihrer Haustür ereignete.[2]

Fußnoten

[1] Vgl. zum Folgenden Schlechtriemen, Judenlager.

[2] Vgl. hierzu ausführlicher https://www.buergerverein-koeln-muengersdorf.de/ortsgeschichte/gedenkort-deportationslager/. Ausführlich zur Biografie von Simon Ungers und zu den Hintergründen der von ihm gefertigten Skulptur vgl. https://www.buergerverein-koeln-muengersdorf.de/ortsgeschichte/gedenkort-deportationslager/skulptur-simon-ungers-30/ (5.7.2020).

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