In einem Gestapo-Bericht vom 26.11.1934 heißt es: „Am 25.11.1934 gegen 11.30 Uhr wurden von mir die angeführten Personen in der schwarzen Heide, Kirchhellen, beim Fußballspielen angetroffen. (...) Ausweispapiere, wonach sie einem Verein oder einer Vereinigung angehörten, hatte keine Person. Als ich fragte, welchen Vereinen sie früher angehört hätten, bekam ich zur Antwort, dass sie in der DJK. bzw. in den Stürmen [gemeint wohl: Sturmschar] gewesen wären.
Ich machte sie darauf aufmerksam, dass sie ohne Erlaubnis des Eigentümers nicht die Heide betreten und dort Fußballspiele veranstalten könnten. Hierauf antwortete mir der zu 1. Genannte, wo sie denn bleiben und wie sie sich denn in ihrer freien Zeit betätigen könnten. Ihre ehemaligen Vereine wären doch verboten und aufgelöst worden. Auf den Hinweis, sie könnten doch zur HJ gehen und sich dort spielerisch und sportlich betätigen, wurde von allen Personen ausgerufen, das käme für sie gar nicht in Frage.
Es ist hier des Öfteren, vor allen Dingen sonntags, die Beobachtung gemacht worden, dass kleinere Gruppen aus den Städten Essen, Bottrop, und Sterkrade einzeln bis zur Grafenmühle kommen, sich dort vereinigen und dann in die Heide ziehen. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um Personen handelt, die früher in den aufgelösten bzw. Verbänden waren, ihre politische Tätigkeit hier fortsetzten. So auch hatten sich die aufgeführten Personen, die in zwei Gruppen von Essen kamen, in der Nähe der Grafenmühle getroffen und sind dann in die Heide gezogen. Eine einheitliche Kleidung trugen diese Personen nicht, zum großen Teil hatten die schwarze, kurze Hosen an. Sämtliche Personen waren auf Fahrrädern. Es wäre festzustellen, ob es sich hier um Personen handelt, die in aufgelösten bzw. verbotenen Verbänden tätig waren, und ob sie nun unter dem Deckmantel gemeinschaftlicher Ausflüge ihre verbotene politische Tätigkeit hier weiter betreiben."
Insgesamt führt der Bericht namentlich zwölf Jugendliche auf, die anschließend durch die Gestapo verhört werden. Dabei wird angegeben, dass von den zwölf allein sieben der DPSG, die übrigen fünf der Sturmschar der Pfarre St. Antonius in Essen angehören würden. Präses und Präfekt des dortigen Jungmännervereins hätten von der Aktion jedoch nicht gewusst. „Am Freitag dem 23.11.34 hatten K. ich uns abgesprochen mit unseren Jungens eine Radtour nach Kirchhellen zu machen, und dort in der Heide Fußball zu spielen. Von meinen 8 Pfadfindern ist nur einer zurückgeblieben, weil er sich verschlafen hatte. Von der Sturmschar, die nur 7 Mann stark ist, sind zwei nicht mitgefahren. Wir anderen sind alle mittels Fahrrad gegen 9 Uhr, nach dem Gottesdienst abgefahren." In der Heide habe man dann gegeneinander und ohne Beteiligung weiteter Jugendlicher Fußball gespielt. „Einheitliche Kleidung haben wir nicht getragen. Wir trugen wohl alle kurze Hosen. D. und ich trugen eine schwarze Kletterweste mit blanken Knöpfen. Dieses hatten wir uns aber nicht abgesprochen. Ich trage diese Weste täglich zur Arbeit." Dabei wird durchaus eingeräumt, dass „das Verbot der Betätigung konfessioneller Jugend bekannt gewesen sei", allerdings habe man „geglaubt, dass die Sonntage nicht darunter fallen".
Den Aussagen der Jungen sind interessante Details zur Sturmschar und zur DPSG in der Pfarre St. Antonius in Essen-Frohnhausen zu entnehmen. Ein Mitglied der dortigen Sturmschar gibt an, dass seine Gruppe nur noch sechs Mitglieder zähle. „Unser Sturmscharführer ist im Herbst 1932 infolge Überalterung zurückgetreten und von den Mitgliedern sind nach und nach einige zur Pfadfinderschaft und zur HJ gegangen. Heute sind wir nur noch 6 Mann." So habe auch der aktuelle Stammesführer der DPSG bis 1932 der Stumschar angehört.
Im Abschlussbericht der Gestapo heißt es, insbesondere aus den Aussagen der beiden Gruppenführer H. und K. gehe klar hervor, dass ein geschlossener Ausflug unternommen worden sei. „Es liegt ein Verstoß gegen die Staatspolizeiliche Anordnung vom 28.5.34 vor. Gemeinsames Wandern und öffentliche Sportausübung konfessioneller Jugendgruppen. Andere Personen sind an der Wanderung pp. nicht beteiligt. Die Pfadfinderschaft ist restlos beteiligt und von der Sturmschar fehlte nur einer. Von den Beschuldigten ist keiner in der Kartei verzeichnet oder sonst bisher hervorgetreten."
Die Staatspolizeistelle Düsseldorf sendet den Vorgang zuständigkeitshalber an die Gestapo in Recklinghausen, da der „Tatort" Kirchhellen im Bereiche des Regierungsbezirks Münster liege und eine Bestrafung daher von dort in die Wege zu leiten sei. Die wiederum bittet acht Tage später ihre Kollegen in Essen, sämtliche Beschuldigte zu verwarnen.