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Hachschara

Hachschara

Hachschara bedeutet im Hebräischen „Vorbereitung, Tauglichmachung“ und bezeichnete in der jüdischen Jugendbewegung Ausbildungsprogramme für junge Menschen, die sich dem Zionismus verschrieben haben und nach Palästina auswandern wollten. Meistens wurden sie auf dem Lande auf Lehrgütern in Tätigkeiten und Berufen in der Haus- und Landwirtschaft, in Gartenbau und Handwerk eingeführt, die sie später beim Aufbau eines Gemeinwesens oder Kibbuz benötigen würden. Bald kamen aber auch Unterweisungen in modernem Hebräisch, dem Iwrit, in jüdischen Traditionen, Festen, in Literatur und Geschichte hinzu, um bei den jungen Siedlern auch eine gemeinsame kulturelle Identität herauszubilden.

Besonders in den 1920er und 1930er hatte die Hachschara für jüdische Ausreisewillige große Anziehungskraft, die sich nach der NS-Machtübernahme nochmals deutlich verstärkte, als sie für viele junge Jüdinnen und Juden die letzte Möglichkeit bot, überhaupt einen Beruf zu erlernen. Die NS-Regierung erkannte ab 1934, dass diese Umschulungsmaßnahmen von zuvor praktisch gar nicht auf ihr neues Leben vorbereiteter deutscher Juden entscheidend zur Förderung ihrer Emigration beitragen konnte. Da die palästinensische Wirtschaft hauptsächlich landwirtschaftliche Arbeiter und Handwerker benötigte, forderten zionistische Funktionäre in Palästina immer nachdrücklicher, dass künftige jüdische Einwanderer zunächst umgeschult werden müssten, bevor sie nach Palästina wechselten. Auch unter ideologischen Gesichtspunkten verstanden Zionisten die Tätigkeit in Landwirtschaft und Handwerk als Zeichen der notwendige „Normalisierung der Berufsstruktur des jüdischen Volkes“.

Bereits Anfang 1934 waren mehr als 6.000 meist junge Jüdinnen und Juden in den verschiedenen Programmen bzw. Umschulungslagern - Hachschara-Zagyr genannt -eingeschrieben - Tendenz weiterhin deutlich steigend. Sogar die größeren ausdrücklich nichtzionistischen Organisationen wie der „Centralverein“ und der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten“ mussten 1936 schließlich eingestehen, dass es zumindest für den jungen Teil der jüdischen Bevölkerung keine Alternative zur Auswanderung mehr gab. Widerstrebend errichteten sie im selben Jahr ein erstes nichtzionistisches Umschulungslager der Hachschara in Groß-Breesen, um Jugendliche auch auf die Auswanderung in andere Länder als Palästina vorzubereiten. Neben körperlicher, fachlicher und kultureller Ausbildung vermittelten die Zentren den Jugendlichen einen ausgeprägten Stolz auf ihr Judentum.

Anfang 1937 gab es allein im Reichsgebiet etwa 45 Umschulungszentren, die entweder von der links stehenden sozialistischen Jugend, der rechtsstehenden revisionistischen Jugend oder den Orthodoxen organisiert wurden und einige sogar von Nichtzionisten. In den Lagern waren in der Regel 20 bis 30 Auszubildende untergebracht, in einigen waren es jedoch bis zu 100 oder auch nur sieben oder acht. Sie waren überwiegend zwischen 18 und 25 Jahre alt, etwa ein Drittel stammte entweder aus Polen oder war staatenlos. Während der 1930er Jahre wurden junge deutsche Jüdinnen und Juden daneben auch in Umschulungsprogrammen außerhalb Deutschlands ausgebildet - im Jahr 1935 etwa 1.800 in 13 europäischen Ländern. Insgesamt wanderten vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges fast 20.000 der so Vorbereiteten aus Deutschland nach Palästina aus. - Aber auch dieser Weg wurde im Jahr 1941 auch versperrt, als die Hachschara entweder aufgelöst oder in Zwangsarbeitslager für jüdische Jugendliche umgewandelt wurden.

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