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Ereignisse
1934
Mai

Mülheimer ND-Mitglieder verhört und geschlagen

Am 1. Mai 1934 werden Mitglieder der Neudeutschland-Gruppe des Mülheimer Realgymnasiums im örtlichen NSDAP-Ortsgruppenbüro verhört und geschlagen. Hierzu verfasste Jesuitenpater Vorspel einen Bericht, den er am 12. Mai 1934 nicht nur ans Generalvikariat, sondern auch an den Kölner Polizeipräsidenten, den Regierungspräsidenten und das Reichsinnenministerium schickt. Hierin hält er fest:

„Am Dienstag, den 1. Mai, hielt ich für die Neudeutschen der Gruppe Mülheim Realgymnasium im Franziskanerinnenkloster, Adamstr. 40, 17-17.30 Uhr eine Marienfeier, wie es bei uns von jeher Brauch ist. Als die Jungen von dort zu zweien und dreien fortgingen, wurden sie - wohl weil einer einen Speer in der Hand trug, der bei der kirchlichen Weihe eines Wimpels als Wimpelstock gedient hatte - plötzlich an der Markgrafenstr. von drei Männern aus dem Parteibüro dort (Ortsgruppe Köln-Mülheim-Ost) angehalten und ins Parteibüro mitgenommen. Von den zwölf Jungen wurde zunächst der größte, Rudi Weingarten, zu einem Sonderverhör in einen angrenzenden Raum geholt. Man suchte ihn zu der Aussage zu bringen, dass es sich um eine politische Veranstaltung gehandelt hätte. Der Junge konnte nur erwidern, dass wir eine rein religiöse Feierstunde gehalten hätten. Bei der Durchsuchung fand man bei ihm unter dem Rockkragen ein Christuszeichen, ferner in seinem Taschenbuch einen Zettel, auf dem er mit seinem Bruder, der Mitglied der HJ ist, sich gehänselt: ND besiegt HJ. Daraufhin wurde er in einen zweiten Raum abgeführt, sollte geschlagen werden, wehrte sich, wurde dann von vier bis fünf hinzugekommenen Männern mit Gummiknüppeln und mit Fäusten roh misshandelt. Der Polizeiwache in Mülheim zugeführt, am anderen Morgen ins Polizeipräsidium gebracht, blieb er bis zum Abend des folgenden Tages in Haft. Erst am Mittag des zweiten Tages, also nach 24 Stunden, wurde ihm Essen gereicht.

Von den anderen Jungen wurde Jakob Vosen zu dem Neudeutschen-Heim an der Langemaßstraße geführt. Schon vorher im Büro war er ohne Grund von allen Anwesenden, die sich als Politische Polizei ausgaben, teils SA-Streifen darstellten, geohrfeigt, getreten und geschlagen worden. Auf dem Wege wurde er mit Fußtritten zu schnellerem Gehen aufgefordert. Als er dann schneller ging und schließlich zu entkommen suchte, wurden von einem SA-Mann zwei Schüsse auf ihn abgegeben. Da er - von Passanten angehalten - stolperte, wurde er wieder gefasst, geschlagen und getreten. Im Heim zwang man ihn, Tür und Schränke aufzubrechen. Erst dann wurde die Polizei geholt. Ein Beamter wollte dann die vorhandenen Bücher einziehen, da der Bund verboten sei. Über seinen Irrtum aufgeklärt, stand er davon ab. Auf dem Wege zur Polizeiwache Tiefenthalstraße durchquerte ein fremder Passant unsere Kolonne, wurde daraufhin geschlagen und mitgeführt. Als er plötzlich floh, schoss man auch auf ihn. Gegen einen der Täter, dessen Name feststeht, ist bereits Privatklage beim Staatsanwalt eingereicht."

Die ND-Mitglieder wurden bei dieser Gelegenheit u.a. als „krumme Hunde", „Dreckschweine" und - wohl durchaus bezeichnend - als „intellektuelle Schufte" bezeichnet. Die durch die Misshandlungen hervorgerufenen Verletzungen von Weingarten und Vosen wurden anderntags von zwei Ärzten attestiert.

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