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Ereignisse
1934
April

Weiterer Bericht über "Erziehertagung"

Ein M. Dithfurth verfasste als Vertreter des Provinzialschulkollegiums in Koblenz am 4. Mai 1934 folgenden Folgerungen aus der „Erziehertagung“ der Hitlerjugend am 29. April:

„Auf der Erziehertagung der HJ, die am 29.April in Köln stattfand, bezeichnete es der Obergebietsführer West, nachdem die äußere Organisation der HJ vollendet sei, als nächste große Aufgabe, Familie, Schule und HJ zu einer harmonischen Erziehungsgemeinschaft zusammenzuschließen, deren einziges Ziel es sein müsse, die Jugend zu echten Nationalsozialisten zu erziehen. Da auch die Schule nichts sehnlicher wünscht, so ersuche ich diejenigen Leiter und Leiterinnen der höheren Schulen, die Anregungen zu einer ersprießlichen Zusammenarbeit von Schule und HJ zu geben in der Lage sind, mir diese bis zum 20. Mai zuzuleiten. Von mir aus rege ich jetzt schon folgendes an:

1. Es ist beabsichtigt, den Spielnachmittag der HJ zu überlassen und die Lehrkräfte, die bisher den Spielnachmittag geleitet haben, der HJ zur Verfügung zu stellen. So würde der Spielnachmittag, der letzthin durch die Befreiung der HJ von der Teilnahme verkümmert war, wieder voll und ganz ausgenützt werden. Es wäre dies ein erster Schritt zu einer wirklichen Zusammenarbeit von HJ und Schule, und das Misstrauen, das noch mancherorts zwischen den beiden Erziehungsfaktoren herrscht, würde von selbst verschwinden. Dieser Gedanke soll zunächst an den Kölner Knabenanstalten verwirklicht werden. Ich ersuche die Leiter dieser Anstalten, sich mit dem Oberbannführer Busch in Köln-Lindenthal, Innere Kanalstrasse 15, von dem der Wunsch zu dieser Zusammenarbeit ausgesprochen wurde, in Verbindung zu setzen. Ich würde es begrüßen, wenn jüngere Lehrkräfte (vor allem Referendare und Assessoren) sich freiwillig in den Dienst dieser Sache stellten.

2. In der nächsten Zeit ist im Gau Köln-Aachen ein Werbefeldzug für die HJ geplant. Die Ortsgruppenleiter der PO werden sich rechtzeitig mit den einzelnen höheren Schulen in Verbindung setzen. Ich ersuche die Leiter und Leiterinnen, sich geschlossen mit ihren Anstalten an diesen Kundgebungen zu beteiligen und dabei selber mit einigen Worten zum Eintritt in die HJ (den BDM) aufzufordern. Alles Nähere erfahren die Leiter der höheren Schulen beim politischen Leiter der NSDAP.

3. Der Obergebietsführung West geht von jetzt ab fortwährend eine Liste der von mir veranstalteten national-politischen Lehrgänge zu. So hat sie Gelegenheit, jederzeit Redner zu diesen Lehrgängen zu entsenden und zu ihrem Gelingen beizutragen.“

Auch der „Westdeutsche Beobachter“ berichtete über die „Erziehertagung“, an der alle Oberbannführer, Gebietsführer und deren Jungvolkführer sowie alle Junglehrer, die in HJ und DJ tätig sind, teilnehmen mussten. Thema der Tagung sei „das Verhältnis von HJ und Schule“. Mit dieser Tagung, so der Westdeutsche Beobachter in einem Bericht am 1. Mai 1934, habe die HJ „die Erneuerung des deutschen Schulwesens begonnen“. Zentraler Redner der Tagung ist Obergebietsführer Lauterbacher, der ein klares Bekenntnis der Schulen zum Nationalsozialismus fordert: „Die Gesinnung des Trägers unserer Schulen ist entscheidend, und somit die Forderung nach dem nationalsozialistischen Lehrer und der nationalsozialistischen Schule nur eine Folgerichtigkeit.“ Die Auswahl des Lehrernachwuchses vollziehe sich in der HJ, in der in erster Linie nicht „Wissen oder Können, sondern die Führerqualitäten“ entscheidend seien. Heutige Lehrer, die noch „Patriotismus machen“ mit „Heil-Dir-im-Siegerkranz-Programmen“ seien eine „Unmöglichkeit“, denn die Jugend sei keine „Kaiserjugend“ mehr, sondern lebe in einer neuen Welt. Sie verlange daher „den Führer im Lehrer, der auf Wanderung in der Jugendherberge nicht seine Extrasuppe bekommt und im Einzelzimmer schläft, sondern als Kamerad unter Kameraden lebt“.

Als zweite wesentliche Voraussetzung für den Lehrerberuf stellt Lauterbacher neben der Führerqualität das „Fronterlebnis“ heraus, „dessen Vermächtnis die Jugend als Erbin auf ihren Fahnen“ trage. „Der Geist der Front, der Mut zum heroischen Einsatz muss Grundlage allen Handelns und Grundlage jeder Erziehung werden.“

Die Schule, so Lauterbacher weiter, müsse Schritt für Schritt neu gebaut werden und eine „lebendige Schule des Lebens“ werden. Daher dürfe sie weder von einer „überkommenen Vergangenheit“ noch von einer Konfession bestimmt sein, sondern müsse sich auf die „durch den Nationalsozialismus bestimmte Jugend“ einstellen und Werte wie Treue, Gemeinschaft, Verschwiegenheit, Einsatzbereitschaft und einen gesunden Körper fördern. Die Vermittlung des Wissens müsse auf das Maß beschränkt werden, „das notwendig ist, das Leben zu meistern“.

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